Ein wilder Schwan von Michael Cunningham

„Vertraue dem Fremden. Glaube an die Magie.“

Ich habe als Kind sehr viele Märchen der Gebrüder Grimm, von Hans Christian Andersen und Wilhelm Hauff gelesen, aber mein Herz verloren habe ich an die Märchen aus 1001 Nacht. Auch wenn die letztgenannten Märchen nicht Teil von Cunninghams Buch sind, fand ich seine Interpretationen von bekannten Märchen und Geschichten sehr schön und sehr unterhaltsam.

Michael Cunningham erzählt in Ein wilder Schwan bekannte Märchen auf neue Weise: Er erzählt da weiter, wo das Originalmärchen aufhört, dichtet das Märchen um, versetzt die Geschichte in die Gegenwart, beleuchtet Hintergründe, fügt einige pikante, nicht immer jugendfreie Details hinzu.

Der Leser erfährt so z.B., was mit dem zwölften Schwan passierte, der von seiner Schwester nur ein halbfertiges Brennnesselhemd bekommen hat und in seiner menschlichen Gestalt deshalb einen Schwanenflügel behalten hat. Und auch wer schon immer wissen wollte, wie die Hexe in Hänsel und Gretel zu ihrem Pfefferkuchenhaus kam, der findet Antworten in Cunninghams Märchenband.

Ich persönlich finde, dass das Lesen der Geschichten mehr Spaß macht, wenn man das Originalmärchen kennt, denn so entsteht besonders viel Spannung. Meist war mir von der ersten Seite an klar, um welches Märchen es sich handelt, aber bisweilen habe ich das Märchen erst spät erkannt und über Seiten hinweg gerätselt, welche Geschichte Cunninghams Version zugrunde liegt, was ich als besonders gelungen empfand.

Ich würde definitiv eine nächste Märchenausgabe von Cunningham lesen, falls er so etwas plant.

Michael Cunningham: Ein wilder Schwan. Aus dem Amerikanischen von Eva Bonné. Illustrationen von Yuko Shimizu. Luchterhand, 2017, 152 Seiten; 19 Euro.

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