Die Vegetarierin von Han Kang

„War sie etwa doch nicht die durchschnittlichste Frau der Welt, die zu finden ich mir so viel Mühe gegeben hatte?“

Yong-Hye, die Frau des Ich-Erzählers, ist die unscheinbarste und langweiligste Frau, die man sich vorstellen kann – und genau aus diesem Grund hat sich der Ich-Erzähler für sie entschieden.

Doch eines Tages verbannt die einstmals so unkomplizierte, unterwürfige Yong-Hye nach einem Traum alle tierischen Lebensmittel aus der gemeinsamen Wohnung und zeigt ihrem erstaunten Ehemann eine bislang unbekannte, eigenwillige Seite.

Ihr Mann sucht schließlich Hilfe bei ihren Eltern und ihrer Schwester, aber niemand kann Yong-Hye überzeugen, wieder Fleisch zu essen.

Der Einstieg ins Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Die Beschreibungen von Yong-Hye sowie von den Erwartungen und Vorlieben ihres Ehemannes waren treffend, bitterböse und amüsant. Alles in allem wurden die Protagonisten großartig charakterisiert und mit einem Hauch von Karikatur gezeichnet, was sie dennoch authentisch wirken lässt und den Leser zudem oft schmunzeln lässt.

Der erste Teil des Buches, der aus der Perspektive des Ehemannes erzählt, hat mir am besten gefallen und hat mich so begeistert, dass ich das Buch gar nicht beiseite legen konnte und wollte.

Auch wenn ich die nachfolgenden Teile etwas schwächer als den ersten fand, hat mir der Perspektivenwechsel sehr gut gefallen, da er es ermöglicht hat, die Person Yong-Hye, ihre Gedanken, Gefühle und Beweggründe von mehreren Seiten zu betrachten und ihre Wandlung dadurch besser zu verstehen.

Die Vegetarierin ist ein faszinierender, aber auch verstörender Roman über eine Frau und ihre Verwandlung.

Han Kang: Die Vegetarierin. Übersetzung von Ki-Hyang Lee. Aufbau Taschenbuch, 2017, 190 Seiten; 10 Euro.

Dieser Post ist Teil des Frauen-Monatsthemas im September 2018.

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