Das Haus des Windes von Louise Erdrich

„So schlimm alles auch sein mochte, es wurde zumindest im Augenblick nicht mehr schlimmer.“

1988 in einem Reservat in North Dakota: Die Mutter des 13-jährigen Joe Coutts wird Opfer eines brutalen Verbrechens, zieht sich in der Folge zurück, schläft und weint viel.

Joe und sein Vater versuchen fieberhaft, die Identität des Täters festzustellen, und arbeiten sich durch Berge von Akten, um irgendwo auf einen Hinweis auf den Täter zu stoßen. Beide wünschen sich verzweifelt, „wieder leben zu können. Zu dem Davor zurückzukehren“.

Schließlich erkundet Joe allein die Umgebung, geht zum Rundhaus, wo sich das Verbrechen zugetragen hat, und versucht vor Ort, den Tathergang zu rekonstruieren. Er will die Tat aufklären, den Täter überführen und sich an dem Menschen rächen, der das Leben seiner Mutter zerstört hat.

Mir hat Das Haus des Windes sehr gut gefallen, was zum Teil sicherlich an der gelungenen Mischung aus dem tragischen Verbrechen und den amüsanten Geschichten um Joe und seine Freunde Cappy, Zack und Angus sowie ihr Erwachsenwerden liegt.

Louise Erdrich hat mit ihrem Roman eine komplexe Geschichte erzählt, die nicht nur das brutale Verbrechen und seine Folgen in den Fokus rückt, sondern dem Leser zudem sehr viel von der Geschichte und der Lebensweise, den Traditionen und Mythen, den täglichen Vorurteilen und der Kultur der amerikanischen Ureinwohner vermittelt. Ihre Beschreibungen vom Leben im Reservat und von den juristischen Besonderheiten empfand ich durchweg als spannend und lehrreich, zumal ich mich mit dem Thema bislang noch nicht beschäftigt hatte.

Auch sprachlich kann Das Haus des Windes überzeugen. Die Sprache ist anspruchsvoll und dennoch flüssig lesbar. Besonders gelungen fand ich kreative Wortneuschöpfungen wie „macgywerten“.

Louise Erdrich: Das Haus des Windes. Übersetzt von Gesine Schröder. Aufbau Taschenbuch, 2016, 384 Seiten; 9,99 Euro.

Dieser Post ist Teil des Nordamerika-Themas im Februar 2017.

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