
„In diesem Augenblick wusste ich: Mein Leben würde nicht der Norm entsprechen. Weder würde ich in Deutschland studieren noch einen ‚normalen‘ Beruf ausüben.“ (Seite 21)
Carolina Wilga erzählt in Dem Outback entkommen initial vom Aufwachsen in einem kleinen Dorf bei Castrop-Rauxel, vom Entdecken der Natur, vom Unfall ihres Vaters und vom Arbeiten und Leben in Australien.
Eines Tages macht sich Wilga allein mit einem Van auf die Reise ins und durchs Outback, und eines Morgens wacht sie auf, trägt nur ein Kleid und einen dünnen Schal – keine Schuhe, keine Unterwäsche, hat keine Nahrung und kein Wasser. Sie weiß nicht, wo sie ist und wo ihr Van steht, und irrt tagelang durchs Outback.
„Ich habe mich verirrt. Ich weiß nicht, wo ich bin. Wenn ich hier sterbe, wird mich niemand finden.“ (Seite 89)
Ich war selbst bereits im Outback, jedoch in New South Wales bzw. South Australia. Trotzdem konnte ich mir die Umgebung, in der Wilga unterwegs ist, gut vorstellen und habe ihren Bericht gebannt verfolgt.
Das Vorhaben von Wilga hat mich allerdings etwas überrascht: Ganz allein ins Outback fahren? Mit einem einfachen Smartphone? Ohne ein Satellitentelefon? Ohne sich vorher mit erfahrenen Leuten auszutauschen? Das alles fand ich ganz schön waghalsig. Und am Ende kann man sagen: Gut, dass sie überlebt hat. Aber ein Wunder ist das allemal!
Wilgas Bericht ist spannend geschrieben. Ich habe hier viel mitgefiebert und mitgefühlt, auch wenn mir einige Passagen etwas zu lang geraten sind, z.B. wenn Wilger von Träumen etc. erzählt.
Ich finde, man kann hier durchaus einiges kritisieren, z.B. die Blauäugigkeit der Autorin, wie sie sich auf den Weg gemacht hat, die Kosten ihrer Bergung und das Aufs-Spiel-Setzen ihres Lebens. Aber man kann wirklich nicht leugnen, dass das Ganze extrem spannend zu Papier gebracht wurde.
Carolina Wilga mit Kathrin Nord: Dem Outback entkommen. Mein Überlebenskampf in der australischen Wildnis. Malik, 2026, 240 Seiten; 22 Euro.