
„Die größte Sehnsucht im Leben wird nie erfüllt.“ (Seite 217)
1982: Die 14-jährige Jo lebt in Eisenwerda, einem fiktiven Ort, einer Mischung aus Eisenhüttenstadt und Hoyerswerda, wo der Fluss manchmal grün, mal gelb, rot oder blau ist – je nachdem, was gerade vom Kombinat ins Wasser geleitet wird.
Jo steht kurz vor der Jugendweihe und färbt sich für dieses Event ihre Haare mit Ostereierfarbe grün.
Sie erregt Aufsehen und bekommt immer mehr Probleme, zumal sie bald zu ihrer ersten Punk-Party geht, Pogo tanzt und schließlich Mitglied einer Punkband wird.
Der Einstieg ins Buch hat mir extrem gut gefallen und mich an meine eigene Kindheit in der DDR erinnert: Pionierhalstuch, FDJ, Appell, Moorsoldaten. Ich hatte alles bildlich vor Augen und habe mich auch gefreut, Wörter, die mich sofort in meine DDR-Kindheit versetzt haben und die ich schon sehr lange nicht mehr gehört habe, wieder zu lesen.
Dieses Buch hat eine krasse Wucht – genau wie Pogo. Es ist sprachlich und inhaltlich hundertprozentig authentisch, und die Lektüre hat mir zudem Spaß gemacht, auch wenn (oder gerade weil) sie im Verlauf immer dramatischer wird und eine Abwärtsspirale beschreibt, nachdem Jo die Aufmerksamkeit der Partei auf sich zieht.
Sonja M. Schultz schildert sehr überzeugend, wie das Leben in einer Diktatur von außen beengt und beeinflusst wird und welche Risiken manche eingehen, um dieser Enge irgendwie zu entfliehen.
Sonja M. Schultz: Mauerpogo. Blumenbar, 2025, 368 Seiten; 22 Euro.