
„Dieses Buch ist für Sie geeignet, wenn Sie sich für die Beziehung zwischen Körper und Seele interessieren, wenn Sie manchmal unerklärliche Beschwerden haben oder jemanden kennen, der jemanden kennt, der darunter leidet; oder wenn Sie es erstrebenswert finden, sich selbst, also Ihre Psyche und Ihre Körperreaktionen, besser zu verstehen.“ (Seite 20)
Alexander Kugelstadt erzählt in seinem Buch zunächst, wie Körper und Seele zusammenarbeiten, wieso unsere Gefühle so kompliziert sind, wie wir den Umgang damit verbessern können, was Stress auslöst und was Stress mit uns macht.
Im zweiten Teil des Buches setzt er sich mit verschiedenen psychischen Störungen und Problembereichen auseinander, zum Beispiel Trichotillomanie, Grübeln und Zwangshandlungen, Hypochondrie, Depressionen, Traumafolgestörungen und somatoforme Störungen.
Im dritten Teil geht Kugelstadt näher darauf ein, wie man seine psychosomatische Gesundheit fördern kann. Und im vierten Teil des Buches beschreibt er u.a. die Wirksamkeit von Psychotherapie und den Ablauf einer psychosomatischen Behandlung.
Ich arbeite selbst psychotherapeutisch, habe aber mit Psychosomatik eher wenig zu tun, obwohl die Wechselwirkung zwischen Körper und Psyche ja auf der Hand liegt und meiner Meinung nach (fast) immer eine zentrale Rolle bei somatischen und mentalen Problemen spielt, weil sich beide gegenseitig verstärken.
Der starke Fokus im Buch auf Psychoanalyse war für mich keine Überraschung. Da ich verhaltenstherapeutisch arbeite, waren die Erklärungsmodelle und bestimmte Inhalte wie die Therapie ausgewählter Störungen nicht so relevant für meine Arbeit. Nichtsdestotrotz fand ich viele Inhalte des Buches sehr spannend und durchaus relevant für mich, zum Beispiel den Umgang mit Emotionen.
Kugelstadt hat es dabei geschafft, die Themen nicht nur verständlich aufzubereiten, sondern das Buch liest sich auch wirklich spannend, sodass der Wissenserwerb viel Spaß macht.
Es gibt auch ein paar Dinge, die mich bei der Lektüre gestört haben. Zum Beispiel gibt es einige Fehler im Buch, wie auf Seite 70, wo steht, dass Schuld und Scham Basisemotionen sind, was nicht korrekt ist. Außerdem werden psychodynamische Verfahren generell über die Verhaltenstherapie gestellt, auch wenn es laut Psychotherapieforschung oft eine klare Überlegenheit der Verhaltenstherapie gibt, zum Beispiel bei der Behandlung von Angststörungen oder Zwangsstörungen. Auch bei den Prävalenzen auf Seite 172 habe ich etwas aufgemerkt, denn Kugelstadt gibt hier an, dass die Lebenszeitprävalenz der Depression bei 5% liegt, während ich Zahlen kenne, die deutlich höher liegen.
Alexander Kugelstadt: „Dann ist das wohl psychosomatisch!“. Wenn Körper und Seele SOS senden und die Ärzte einfach nichts finden. Alles zur Psychosomatischen Medizin. Goldmann Verlag, 2022, 400 Seiten; 13 Euro.