The Glass Girl von Kathleen Glasgow (Hörbuch)

„Jeden Morgen, wenn ich aufwache, glaube ich nicht, dass ich es schaffen werde. Oder vielleicht glaube ich, dass ich es nicht schaffen will. Das, was ich am Abend vorher getan habe, lastet schwer auf mir, alles, was ich mit mir rumtrage, lastet schwer auf mir und manchmal ist es einfach zu verdammt viel.“ (Track 1)

Die 15‑jährige Bella erlebt gerade mehrere Krisen: Ihre Großmutter ist gestorben, die Eltern haben sich getrennt, und ihre große Liebe Dylan beendet die Beziehung. Bella hat bereits zuvor angefangen, den Schmerz mit Alkohol zu lindern, und gleitet immer mehr in eine Alkoholabhängigkeit ab.

In The Glass Girl erzählt Kathleen Glasgow von Filmriss, vom Weg in Sucht, von Verharmlosung, Rechtfertigungen, heimlichem Trinken, von Abstinenzversuchen und Rückfällen, Schuld und Scham, Unterstützungsangeboten, Entzug und Entgiftung, erlaubnisgebenden Gedanken und vom eisernen Willen, abstinent zu leben.

Es hat etwas gedauert, bis ich das Buch gefunden habe, und fast hätte ich das Hörbuch abgebrochen. Doch dann empfand ich die Schilderungen als sehr authentisch und fesselnd, und die Abwärtsspirale der Sucht wird sehr überzeugend und auf sehr schockierende Weise veranschaulicht und wiedergegeben.

Als Leser/Hörer versteht man durch den Roman sehr genau, was Sucht bedeutet und wie sie sich entwickelt.

Nora Schulte liest den Roman zudem auf sehr gelungene und eindringliche Weise. Der Hörer kann so den gesamten Verlauf der Entwicklung und Behandlung einer Suchterkrankung begleiten. Das ist ebenso schockierend wie spannend und informativ und trägt meiner Meinung nach sehr zur Entstigmatisierung und zur Wissensvermittlung über Abhängigkeit bei.

Zudem ist das Hörbuch unterhaltsam – falls man das bei diesem Thema sagen kann.

Kathleen Glasgow: The Glass Girl. Übersetzung von Barbara König. Ungekürzte Lesung von Nora Schulte. Argon Verlag, 2025; 24,95 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!