438 Tage. Überlebenskampf auf dem Pazifik von Jonathan Franklin

„Und das war sein letzter Kontakt mit der Küste.“

José Salvador Alvarenga flieht aus seiner Heimat El Salvador und lässt sich nach einem langen und beschwerlichen Fußmarsch im mexikanischen Dorf Costa Azul nieder. Hier arbeitet er als Fischer und erlangt in den nächsten Jahren viel Wissen über das Meer und seine Bewohner.

Eines Tages fährt Alvarenga mit dem jungen und unerfahrenen Ezequiel Córdoba ins offene Meer, um dort zu fischen, und wird von einem gewaltigen Sturm überrascht. Das Fischerboot und die beiden Männer werden immer weiter ins Meer getrieben, doch den beiden gelingt es, wieder näher an die Küste zu gelangen. Dort versagt der Bootsmotor, und Alvarenga ruft über sein Funkgerät um Hilfe. Doch da sein GPS-Gerät kaputt ist und er seine Position nicht angeben kann, kommt die erhoffte Hilfe nicht. Stattdessen werden die beiden Männer weiter und weiter von der Küste getrieben und müssen sich schließlich von rohen Schildkröten, Fischen und Vögeln ernähren, ihren Urin trinken und darauf hoffen, irgendwann von vorbeiziehenden Schiffen entdeckt oder an einer Küste angespült zu werden.

Ich fand das Buch von Anfang bis Ende großartig: von der schönen Vorsatz-Gestaltung und den vielen Karten mit der Lage des Bootes und verschiedenen Landmarks über die Angabe der jeweiligen Mondphasen und der Entfernung von der Küste Mexikos bis zum spannenden Inhalt des Buches, dem gelungenen Nachwort des Autors und den vielen Farbfotos.

Die Handlungsorte (Costa Azul, das Schiff etc.) und die Protagonisten wurden vom Autor genau beobachtet (bzw. in etlichen Interviews erfragt) und so sehr authentisch und überzeugend beschrieben. Überlebenskampf und Depression, Hunger und Durst, Angst und Verzweiflung, Halluzinationen und Suizidgedanken, Stille und Einsamkeit, Freundschaft und Verlust wurden vom Autor in anspruchsvoller Sprache, detailreich und lebendig geschildert.

Mich hat die Geschichte von Alvarenga unglaublich beeindruckt und bewegt. Das Buch liest sich durchweg wie ein Krimi und ist so spannend, dass man es fast nicht aus der Hand legen kann. Dabei steckt es zudem voller Informationen über Mexiko, den Ozean, den menschlichen Körper und voller Weisheit, was im Leben wirklich wichtig ist.

438 Tage war eines meiner Lesehighlights 2016.

Jonathan Franklin: 438 Tage. Überlebenskampf auf dem Pazifik. Übersetzt von Karsten Petersen, Karlheinz Dürr und Martin Bayer. Malik, 2017, 336 Seiten; 15 Euro.

Dieser Post ist Teil des Meer-Themas im Mai 2018.

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