Und was, wenn alle merken, dass ich gar nichts kann? von Sabine Magnet

„Doch Ihnen ist es gelungen.

Ich weiß, was Sie jetzt sagen wollen: Das war reiner Zufall. Sie hatten eben Glück. Waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Sind nur durch Beziehungen hier gelandet. Oder weil die Sie halt sympathisch finden. Sie denken bestimmt, dass die alle keine Ahnung haben, dass in Wirklichkeit Sie keine Ahnung haben. Dass Sie nur bluffen und die ganze Zeit bloß so tun als ob – und hoffen, dass Ihr Schwindel nicht auffliegt und alle merken, dass Sie gar nichts können …“ (Seite 9)

Sabine Magnet klärt in den ersten Abschnitten ihres Buches, was das Impostor-Phänomen ist und was es nicht ist, wie es sich bemerkbar macht, wie verbreitet es ist etc. Sie untermauert ihre Ausführungen dabei mit Wissen aus der Persönlichkeitspsychologie und den Ergebnissen verschiedener Studien zum Thema.

Anschließend geht die Autorin auf Probleme und Schwierigkeiten durch das Impostor-Phänomen ein, erwähnt Ursachen und Gefahren sowie Strategien im Umgang mit dem Impostor-Phänomen.

Mir sind die von der Autorin beschriebenen und im Buch erwähnten Gedanken und Gefühle nicht fremd, und ich habe mich beim Lesen sehr verstanden gefühlt und erkannt, wie weit verbreitet das Impostor-Phänomen ist und dass man mit solchen Gedanken und Gefühlen wirklich nicht allein ist.

Dabei liest sich das Buch ebenso unterhaltsam wie fundiert, so dass die Lektüre nicht nur Spaß macht, sondern auch erklärt, aufklärt und Wissen vermittelt.

Das Buch ist natürlich kein Fachbuch, aber durch den starken Bezug zu psychologischen Phänomenen und Studien auch mehr als ein Selbsthilferatgeber, obwohl ich manche Ausführungen zu unwissenschaftlich fand, z.B. die Erwähnungen von C.G. Jung. Geeignet ist das Buch meiner Meinung nach sowohl für Betroffene als auch für interessierte Laien ohne Impostor-Phänomen.

„Vom Impostor-Phänomen betroffene Menschen leben in einem Überschätzungs-/Unterschätzungs-Dilemma. Sie unterschätzen die eigenen Fähigkeiten und überschätzen die Fähigkeiten der anderen. Dabei überschätzen sie aber auch die eigene Fähigkeit zu beurteilen, was andere wissen und was nicht. Sie denken auch, dass die anderen nicht merken, dass sie nur hochstapeln – sie denken also, dass die anderen nichts checken oder dumm sind, dass sie nicht merken, wenn ihr Gegenüber nichts kann.“ (Seite 206)

Sabine Magnet: Und was, wenn alle merken, dass ich gar nichts kann? Über die Angst, nicht gut genug zu sein. mvg Verlag, 2019, 224 Seiten; 16,99 Euro.

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