Junge mit schwarzem Hahn von Stefanie vor Schulte (Hörbuch)

„Und es ist sicher, dass er niemandem davon berichten darf, wie der Hahn zu ihm spricht. Denn alle würden meinen, mit der Stimme des Teufels, aber Martin weiß, mit dem Teufel hat der Hahn so wenig zu tun wie er selbst.“ (CD 1, Track 15)

Der 11-jährige Martin besitzt nichts außer einem Hahn, den er auf der Schulter oder unter der Kleidung trägt. Dies ist sein einziger Gefährte, seit er als Dreijähriger seine ganze Familie verloren hat, nachdem der Vater seine Geschwister und seine Mutter erschlagen hat.

Die Dorfbewohner verachten, fürchten und meiden Martin, denn der kluge und liebenswürdige Junge ist ihnen nicht ganz geheuer, und der schwarze Hahn ist für sie eindeutig der Teufel.

Eines Tages wird Martin Zeuge, wie ein Kind von einem Reiter entführt wird – etwas, das er immer wieder von anderen gehört hat, was er jedoch stets im Reich der Legenden angesiedelt glaubte.

Martin schwört sich, den Entführer und das Kind zu finden, und so schließt er sich einem Maler an und verlässt sein Heimatdorf.

Junge mit schwarzem Hahn ist ein schmales Buch und ein recht kurzes Hörbuch von lediglich viereinhalb Stunden Dauer. Dennoch erzählt Stefanie vor Schulte in ihrem Debüt eine ebenso komplexe wie packende Geschichte, die den Leser/Hörer mitnimmt in eine finstere Epoche.

Junge mit schwarzem Hahn ist atmosphärisch und trotz der düsteren Stimmung hoffnungsvoll. Ich empfand den Roman als wundervoll erzählt, das Ganze ist sehr märchenhaft und magisch, und auch die Sprache vor Schultes mit den kurzen stakkatoartigen Sätzen und dem schnörkellosen Erzählstil hat mir gut gefallen.

Robert Stadlober hat den Roman mit der passenden Intonation und überzeugend eingelesen, so dass ich das Hörbuch sehr empfehlen kann, da Stadlobers Stimme und Tonfall die Geschichte perfekt einfängt.

Ich freue mich sehr auf weitere Romane der Autorin.

Stefanie vor Schulte: Junge mit schwarzem Hahn. Gelesen von Robert Stadlober. Diogenes, 2021; 22 Euro.

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