Eine Frau verschwindet von Cécile Tlili

„Zwei Fahrten über das Mittelmeer, um zu begreifen, dass ich meinen Kummer nicht hinter mir lassen kann.“

Sonntag, 3:14 am Morgen: Alice wird wach. Wie häufiger in letzter Zeit findet sie keinen Schlaf mehr. Tagsüber versucht sie, dem Schmerz durch ihre Arbeit aus dem Weg zu gehen, ist gar nach Korsika geflohen, um ihrem Schmerz und ihren Erinnerungen zu entkommen. Doch der Schmerz kehrt jede Nacht zurück.

Alice’ Ehemann Damien hat sie verlassen. Und so entschließt sich Alice, ihren Ehemann und ihre Tochter zurückzulassen, zieht nach der von Damien ausgesprochenen Trennung ohne jede Information aus, sucht sich eine Wohnung in sicherer Entfernung.

In ihrer neuen Bleibe trifft sie auf die Nachbarin Siham. Hilft ihr beim Einkaufen und geht mit ihr zu ihrer Tante. Übernachtet mehrmals bei Siham und entschließt sich schließlich, die junge Frau vor dem zu retten, was diese belastet.

Eine Frau verschwindet erzählt von Einsamkeit, von Vermeidung, von der fehlenden Auseinandersetzung mit der Trennung, vom Schmerz, vom verzweifelten Versuch, den Alltag weiter zu bewältigen. Dabei ist der Roman sehr knapp gehalten, sehr dicht geschrieben und psychologisch überzeugend.

Der Schreibstil ist einnehmend und eindringlich, der ganze Roman ist berührend und bewegend, doch obwohl mir das Buch sehr gut gefallen hat, konnte es mich nicht richtig gefangen nehmen und nicht richtig mitreißen, was vielleicht letztendlich tatsächlich an der Kürze der Geschichte gelegen haben mag.

Cécile Tlili: Eine Frau verschwindet. Übersetzung von Corinna Rodewald. Kein & Aber, 2026, 144 Seiten; 22 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!