Briefe an einen jungen Therapeuten. Einblicke in das Herz der Psychotherapie von Victor Chu

„Wie gestaltet man den Kontakt zum Klienten/Patienten? Welche Nähe, welche Distanz ist förderlich? Welche professionellen Grenzen sind zu beachten? Wie geht man als Therapeut/Therapeutin mit den eigenen Normen und moralischen Vorstellungen um, wenn diese nicht mit denen des Klienten übereinstimmen?“ (Seite VII)

Victor Chu blickt zurück auf 45 Arbeitsjahre im psychotherapeutischen Bereich, und mit Briefe an einen jungen Therapeuten möchte er Berufseinsteiger an seinen Erfahrungen teilhaben lassen. Dabei richtet er sich laut eigener Aussage an alle Therapeuten, unabhängig vom Ausbildungsstand und von der Therapieschule.

Er schreibt z.B. von Berufsethos, Erstkontakt, Therapievertrag, therapeutischer Beziehung, Schwierigkeiten und Problemen bzgl. der therapeutischen Beziehung, Sexualität, finanziellen Aspekten, Selbstschutz des Therapeuten und Abschiednehmen.

Ich habe mich anfangs in vielen Schilderungen Chus wiedergefunden bzw. bekam von ihm neue Impulse für meine eigene psychotherapeutische Arbeit. Chu und ich sind Anhänger unterschiedlicher Therapieschulen – er ist u.a. Gestalttherapeut, ich arbeite verhaltenstherapeutisch -, und trotzdem hatte ich über weite Strecken das Gefühl, bei uns gibt es sehr viele Überlappungspunkte und Parallelen.

Im Verlauf empfand ich das Buch als etwas zu stark fokussiert auf Gestalttherapie und damit auf Konzepte, die sehr weit entfernt sind von der meiner täglichen verhaltenstherapeutischen Arbeit und teilweise auch von meinem Verständnis von Psychotherapie, so dass ich hier weniger für mich mitnehmen konnte.

Auch den starken Fokus auf die Konstellation männlicher Therapeut älteren Semesters /weibliche Klientin im jungen Lebensalter empfand ich als etwas überholt und angesichts der Mitgliedszahlen der Psychotherapeutenkammer eher nicht der Realität entsprechend (Im Jahre 2016 waren 71% der Mitglieder weiblich.).

Insgesamt haben mir einige Facetten des Buches sehr gut gefallen, andere waren für mich eher weniger hilfreich oder relevant.

Victor Chu: Briefe an einen jungen Therapeuten. Einblicke in das Herz der Psychotherapie.

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