Berlin fotografieren – Architekturschätze und geheime Orte von Andreas Böttger und Nancy Jesse

„Hier darf man sein, hier findet jeder seinen Platz und keiner fällt auf, solange er auffällt.“ (Seite 4)

Ich wohne seit knapp zwei Jahren in Berlin, und ich möchte gerne wieder mehr fotografieren, was seit meinem Umzug in die Metropole leider in den Hintergrund gerückt ist, obwohl ich davon ausgegangen war, dass Berlin mich dazu motiviert, jedes Wochenende mit meiner Kamera loszuziehen.

Mit den beiden Büchern Berlin fotografieren wollte ich endlich Abhilfe schaffen und mich wieder auf die Suche nach Fotomotiven begeben.

Berlin fotografieren. Architekturschätze und geheime Orte beinhaltet sieben Touren durch die Stadt, die vollkommen unterschiedliche Aspekte Berlins zeigen. Gefallen hat mir dabei vor allem die Mischung aus bekannteren Landmarks, die eine gute Orientierung ermöglichen, und unbekannteren Orten, die zum Entdecken der Stadt einladen.

Die einzelnen Touren werden recht knapp abgehandelt, so dass man sich nicht durch seitenlange Abhandlungen kämpfen muss, sondern die wichtigsten Informationen erhält, um so schnell wie möglich das Haus zu verlassen und zu fotografieren (oder einfach nur zu laufen, zu beobachten und zu staunen – die Kamera kann dabei meiner Meinung nach auch daheim bleiben, so dass man das Buch auch als Lauf-Führer durch die Stadt verwenden kann).

Die Touren werden durch einen kurzen Text eingeleitet, der kurz erklärt, um was es bei der Tour geht und was es zu erkunden gibt. Die Autoren Andreas Böttger und Nancy Jesse bieten zudem Informationen zur Dauer der Tour, zu den Kilometern, die man dabei zurücklegt, zum Fotografie-Genre und zur Ausrüstung, die man für die Tour braucht oder brauchen könnte. Außerdem werden Tipps für den richtigen Zeitpunkt gegeben sowie der Verlauf der Tour und die einzelnen Stationen auf einer Karte veranschaulicht. Im Anschluss beschreiben die Autoren die Stationen genauer, so dass man ganz nebenbei auch noch etwas über die Geschichte der Stadt, die Bedeutung von Bauwerken, den Ausbau des U-Bahn-Netzes etc. lernt. QR-Codes helfen zusätzlich bei der Orientierung und machen die Touren noch einfacher planbar.

Die im Buch abgedruckten Fotografien sind sehr gelungen und ästhetisch, wodurch sie eine gewisse Vorbildfunktion haben, denn von Autoren und Fotografen, die ihre Kunst so gut verstehen, lässt man sich gerne Tipps geben und gerne an die Hand nehmen.

Berlin fotografieren. Architekturschätze und geheime Orte macht Lust auf Berlin und auf Fotografieren, aber auch darauf, sich näher mit der Geschichte und Politik der Stadt zu beschäftigen.

Meiner Meinung nach eignet sich das Buch sowohl für gebürtige Berliner, für Zugezogene und für Touristen. Jeder wird in Berlin fotografieren. Architekturschätze und geheime Orte etwas Neues entdecken, und jeder wird das Gefühl haben, er müsse sich sofort auf den Weg durch die Stadt machen.

Andreas Böttger und Nancy Jesse: Berlin fotografieren. Architekturschätze und geheime Orte. dpunkt, 2017, 274 Seiten; 22,90 Euro.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.