
„There is a crack in everything
That’s how the light gets in“
(„Anthem“ von Leonard Cohen)
Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag beinhaltet einen Dokumentar- und einen Informationsfilm, in denen Betroffene mit Depression, ihre Angehörigen sowie Professionelle von ihren Erfahrungen, Gedanken und Gefühlen in Zusammenhang mit depressiven Störungen erzählen. Dabei werden Symptome beschrieben, die Probleme in der Bewältigung des Alltags angesprochen und die Behandlungsmöglichkeiten erwähnt. Auch Themen wie Suizidalität und die Bedeutung von sozialer Unterstützung werden behandelt.
Im Informationsfilm tauchen Personen und Sequenzen aus dem Dokumentarfilm erneut auf, die von ihren persönlichen Eindrücken berichten, die jedoch durch eine weitere Sprecherin sowie zusätzliche Experten ergänzt werden. Im Informationsfilm wird ausführlich erklärt, was eine Depression ist, was Ursachen sein können, wie eine Depression verläuft, wie man sie behandelt, wie man sich selbst helfen kann, wie die Rückfallprophylaxe aussieht, was es bezüglich des Arbeitsumfelds zu beachten gilt. Zudem werden immer wieder Hinweise gegeben, wo man weiterführende Informationen finden kann.
Ich habe zuerst den Dokumentar- und danach den Informationsfilm angeschaut und empfehle diese Reihenfolge, obwohl ich sicherlich nicht repräsentativ bin, da ich als Psychologin bereits viel Erfahrung mit Menschen mit Depression habe. Allerdings finde ich, dass in den beiden Filmen sehr viel Wert auf Verständlichkeit gelegt wurde, so dass auch Laien allen Ausführungen gut folgen können.
Die beiden Filme zeigen ein komplexes Bild von depressiven Störungen, klären auf, machen Symptome durch die Erfahrungen unterschiedlicher Personen, ihre individuellen Problembereiche und ihre persönlichen Ressourcen einfühlbar und verstehbar, zeigen, wie wichtig das soziale Umfeld und Verständnis für die Betroffenen sind, machen deutlich, wie stark man durch eine Depression eingeschränkt wird und dass ein simples ‚Wird schon wieder!‘ oder ‚Versuch doch mal xxx!‘ oder ‚Raff dich doch einfach mal auf!‘ nicht weiterhelfen.
Auf den DVDs wechseln sich Monologe und Dialoge ab, aber es gibt auch Musikeinlagen und längeres Schweigen.
Mein einziger Kritikpunkt ist ein in meinen Augen zu starker Fokus auf die medikamentöse Behandlung und das (allerdings eher typische) Herunterspielen von Nebenwirkungen und Absetzsymptomen der Antidepressiva. Davon abgesehen empfinde ich die beiden DVDs als sehr hilfreich und wichtig, um Depressionen und Betroffene besser verstehen und unterstützen zu können.
Website: www.die-mitte-der-nacht.de
Michaela Kirst und Axel Schmidt: Die Mitte der Nacht ist der Anfang vom Tag. Dokumentar- und Informationsfilm der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, 2017; 10 Euro.