
„Die Gewissheit, dass ich vieles verlieren kann, einen Vater, eine Mutter, eine normale Kindheit, dass nichts sicher und beständig ist, dass aber Bücher trotz allem bleiben, dass mir niemand diese Geschichten, diese Welten wegnehmen kann, in die ich zu flüchten vermag, beruhigte mich und machte mich unverwundbar.“
Tilda, die Mathematik studiert und nebenbei an einer Supermarktkasse arbeitet, lebt mit ihrer kleinen Schwester Ida und ihrer Mutter „im traurigsten Haus der Fröhlichstraße“ in einer Kleinstadt.
Sämtliche Freunde von Tilda sind weggezogen, doch Tilda muss bleiben, für ihre Schwester da sein und Geld verdienen. Die Mutter von Tilda und Ida ist Alkoholikerin, immer wieder gibt es Abstinenzversuche, immer wieder Rückfälle, es kommt zu Gewalt, und Tilda möchte Ida vor der Mutter beschützen. Doch dann wird Tilda eine Promotionsstelle in Berlin in Aussicht gestellt.
Zudem lernt Tilda Viktor kennen, den Bruder von Ivan, mit dem Tilda einst befreundet war. Viktor kennt sie aus der Schule, er ist ein ähnlicher Überflieger wie Tilda und schwimmt auch immer 22 Bahnen, so wie Tilda.
22 Bahnen war meine erste Begegnung mit Caroline Wahl, und das Buch hat sich nicht nur richtig gut angelesen, sondern ist über den ganzen Verlauf hinweg überzeugend, unterhaltsam, berührend und komplex geblieben.
Ich lese selten Klappentexte und habe aus irgendeinem Grund hier eher einen unterhaltsamen und wenig tiefsinnigen Roman erwartet. Ich wurde von der Lektüre extrem positiv überrascht: Dies ist eine tolle Geschichte um Verantwortung und das Finden des eigenen Weges.
Ich bin nun sehr gespannt auf weitere Bücher der Autorin und kann dieses Buch sehr empfehlen.
Caroline Wahl: 22 Bahnen. DuMont Buchverlag, 2024, 208 Seiten; 14 Euro.