Einstein im Bade von Daniel Mellem

„Meines Erachtens darf es gar nicht erst dazu kommen, dass ein Gast einen Wunsch verspürt, den der Gastgeber nicht längst erfüllt hat. Es gilt, mögliche Wünsche nicht abzulesen, sondern sie vorauszusehen.“

Im September 1920 ereignet sich im Hotel „Rastender Kranich“ in Bad Nauheim ein äußerst seltenes Ereignis: Jemand hat sich beschwert.

Philipp Lenard, Physikprofessor aus Heidelberg, taucht im Hotel auf und wird vom Direktor persönlich in Empfang genommen. Lenard ist anlässlich der 86. Versammlung Deutscher Naturforscher und Ärzte angereist – und er ist nur einer von unzähligen und namhaften Wissenschaftlern.

Als der Direktor des Hotels – Kleeberger – Lenard sein Zimmer zeigt, passiert es: Das Zimmer, das für Lenard gedacht war, ist bereits belegt. Und als die beiden das Zimmer betreten, steht vor ihnen der berühmte und splitterfasernackte Max Planck.

Dann zeigt sich zudem noch, dass die beiden sich überhaupt nicht mögen, sodass die Situation noch schwieriger ist als sowieso schon.

Das Zimmer wurde versehentlich doppelt belegt, und Lenard ist unzufrieden mit der Alternative. Kleeberger verspricht, dass Lenard nur eine Nacht zur Straße hin schlafen muss und gleich am nächsten Tag ein Zimmer mit Innenhofblick bekommen wird.

Ein Versprechen, das Kleeberger sehr sicher nicht halten kann, denn das Hotel ist komplett ausgebucht. Aber Kleeberger legt sich ordentlich ins Zeug.

Ich habe diesen Roman auf einer langen Zugreise gelesen, und irgendwie hat das gepasst, weil es mich perfekt auf Urlaub vorbereitet hat. Noch besser wäre es wahrscheinlich gewesen, dieses Buch in einem mondänen Hotel zu lesen, denn die Atmosphäre im Buch ist meiner Meinung nach perfekt hierfür geeignet – das Buch ist stimmungsvoll und sehr atmosphärisch, versetzt einen 100 Jahre in der Zeit zurück und in ein (abgelebtes) Hotel.

Da ich ein Faible für Physik habe, hat mir das Buch allein von der Thematik sehr gut gefallen, und schon den Auftakt empfand ich als sehr spannend. Gefallen hat mir vor allem, dass hier real existierende Personen und Ereignisse aufgegriffen und fiktionalisiert wurden.

Hier kann man nicht nur eine spannende Geschichte verfolgen, vom Streit zwischen verschiedenen Physikern erfahren und Einblicke in Diskussionen im Fachbereich zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekommen, sondern man wird auch perfekt unterhalten, denn der Roman ist zudem sehr humorvoll, auch wenn er teilweise sehr ernste Themen behandelt, zum Beispiel Antisemitismus.

Teilweise empfand ich die Figuren als unfassbar unsympathisch, was die Lektüre aber irgendwie noch authentischer macht.

Ich habe dieses Buch richtig gerne gelesen. Und die Begegnung mit Physikern wie Lenard, Planck und Albert Einstein fand ich sehr gelungen.

Daniel Mellem : Einstein im Bade. Kein&Aber, 2026, 272 Seiten; 26 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!