
„Es ist komisch – fast immer wenn ich die Geschichte meines Überlebens erzähle, sage ich als Erstes, dass die Jahre im Jüdischen Krankenhaus in Berlin der Teil meines Lebens sind, an den ich mich am wenigsten erinnere.“ (Seite 35)
2023: Der israelische Zeichner und Autor Gilad Seliktar befragt Klaus Zwilsky bezüglich dessen Kindheit in Berlin: Zwilsky wurde 1932 in Berlin geboren, sein Vater war Apotheker, und auch seine Mutter arbeitete in einer Apotheke, allerdings nicht als Apothekerin, denn als Jüdin durfte sie nach Hitlers Machtergreifung keine Pharmazie studieren.
Um die Zeit der Kristallnacht im Jahr 1938 herum bemerkt auch das Kind Klaus, dass sich in der Stadt und im Land etwas verändert hat. Im Laufe der Zeit wird die Mutter zur Zwangsarbeit eingezogen, Klaus wird als jüdisches Kind vom Schulbesuch ausgeschlossen, sein Vater verliert sein Arbeit und bekommt schließlich eine Stelle als Apotheker imJüdischen Krankenhaus, Verwandte werden deportiert.
Im Herbst 1943 ziehen die Eltern mit ihrem Sohn Klaus ins Jüdische Krankenhaus, wo der Vater die Apotheke leitet und wo die Familie bis zur Befreiung Unterschlupf findet.
Das Jüdische Krankenhaus ist gar nicht so weit von mir entfernt, und trotzdem weiß ich sehr wenig darüber und wusste bis zur Lektüre dieses Buches auch gar nicht, wie das Jüdische Krankenhaus überhaupt aussieht.
Ich empfand diese Graphic Novel als sehr eindringlich erzählt und wundervoll illustriert. Teilweise sind die Zeichnungen im Buch schwarz-weiß, teilweise koloriert. Manche Passagen sind sehr dynamisch und lebendig gezeichnet, andere eher konturlos und verwischt. Stets jedoch ziehen die Zeichnungen den Leser und Betrachter wirklich in ihren Bann und sind schlichtweg meisterhaft.
Ich habe diese Geschichte gern gelesen – auch weil sie eine Facette des Nationalsozialismus und der Shoah zeigt, die mir bisher noch gar nicht bekannt war.
„Die Zwilskys gehören zu den ganz wenigen deutschen Juden, die nicht deshalb überlebten, weil sie sich versteckten oder ein Konzentrationslager überstanden.
Klaus und seine Eltern überlebten ganz legal in Berlin, obwohl sie von den Nazis als ‚Volljuden‘ klassifiziert wurden.
Sie überlebten im Jüdischen Krankenhaus Berlin. Das ist eine außergewöhnliche Geschichte […].“ (Seite 44)
Charlotte Schallié (Hg.) und Gilad Seliktar: Das Geheimnis des Jüdischen Krankenhauses. Nach den Erinnerungen von Klaus Zwilsky. Graphic Novel. Übersetzung von Rita Seuß. C.H.Beck, 2026, 184 Seiten; 26 Euro.