
„Halt dich an der Liebe fest, die du bekommen hast, sie trägt dich, bis eine neue kommt.“
Mit elf Jahren kommt Elisa ins Heim. Ihre Mutter empfindet sie als „schwer erziehbar“, als „zu frech“. Nach eineinhalb Jahren im „großen kalten Haus“ erlaubt die Mutter ihr, wieder zu ihr zu ziehen.
Doch die Beziehung zwischen den beiden, die früher eine enge war, hat sich immer mehr verändert, Elisa erfährt keinerlei Wärme von der Mutter und so entschließt sie sich, die Wohnung der Mutter zu verlassen und auf der Kölner Domplatte zu leben. Ihr großes Vorbild ist Christiane F., „ein beinahe unstillbarer Hunger auf die Abgründe des Lebens“ treibt sie an.
Schon früh hat Elisa Trost in Büchern gefunden, die ihr die Wärme geben, die sie im echten Leben nicht erfährt – ‚keine Arme, die für mich geöffnet wurden, und keine Ohren, die mir zuzuhören gewillt waren‘.
Dieses Buch hat mich sehr berührt. Es ist stellenweise knallhart und dadurch sehr authentisch. Sarah Lorenz erzählt hier von der Sehnsucht nach Wärme, Liebe und Nähe, von Verlusten und Verletzungen, von Suizidversuchen und selbstverletzendem Verhalten, von Zwangssymptomen und Substanzkonsum, von sexueller Gewalt und Entwürdigung, von Tod und Sterben.
Ich empfand diesen autofiktionalen Roman als sehr mutig und sehr berührend. Am Ende habe ich geweint und war sehr beeindruckt von Lorenz’ Erzählstil und davon, wie geschickt sie die Gedichte von Mascha Kaléko in ihrem Roman verwoben hat.
Sarah Lorenz: Mit dir, da möchte ich im Himmel Kaffee trinken. Rowohlt, 2026, 224 Seiten; 14 Euro.