Im Herbst von Karl Ove Knausgård

„Was macht das Leben lebenswert?“ (Seite 18)

Karl Ove Knausgård steht schon lange auf meiner Leseliste, und seit Jahren möchte ich seine sechsbändige Min kamp-Reihe lesen. Nun habe ich einen Einstieg in sein Werk gewagt und mir hierfür den ersten Band seiner Jahreszeiten-Reihe ausgesucht. Aufgrund der Kürze von Im Herbst war ich mir sicher, dass das Buch einen guten Start in Knausgårds Werk darstellt, da man sich so schnell eine Meinung dazu bilden kann, ob einem sein Schreibstil überhaupt liegt.

Nach dem Lesen von Im Herbst kann ich mit Sicherheit sagen, dass ich kein anderes Buch von Knausgårds Jahreszeiten-Reihe lesen möchte, denn zwar haben mir einige Passagen in Im Herbst gut gefallen, aber einige Episoden fand ich doch recht belanglos.

Knausgård ist ein ausgezeichneter Beobachter und kann das das Gesehene, Erlebte und Gefühlte hervorragend in Worte fassen. Er erzählt in Im Herbst seiner noch ungeborenen Tochter von allerlei Dingen, die er erzählenswert findet, z.B. Geschichten aus seiner Kindheit, faszinierende Phänomene, die er gesehen hat, Dinge, die ihn wundern und staunen lassen, Erlebnisse aus seinem Erwachsenenleben, Angewohnheiten, die er hat, Fragen, die er sich stellt.

Die Texte machen bisweilen nachdenklich und berühren, aber vor allem im Verlauf haben sich die Geschichten eher abgenutzt und waren für mich immer weniger spannend.

Dennoch sehe ich Im Herbst als eine gute Möglichkeit, sich mit Knausgårds Büchern vertraut zu machen, denn der anspruchsvolle Schreibstil Knausgårds mit den oft langen Sätzen hat mir so gut gefallen, dass ich die Min kamp-Reihe trotz einiger Enttäuschung beim Lesen von Im Herbst weiterhin auf meiner Leseliste behalte und irgendwann sicherlich die Zeit und die Muse habe, die sechs Bände zu lesen.

Lobend erwähnen möchte ich noch die hochwertige und ästhetische Aufmachung des Buches: das schöne Papier, das Lesebändchen, die hübsche Einbandgestaltung und die Zeichnungen von Vanessa Baird.

Karl Ove Knausgård: Im Herbst. Mit Bildern von Vanessa Baird. Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Luchterhand, 2017, 283 Seiten; 22 Euro.

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