
„Ich hoffe, dass dieses Buch dazu beiträgt, dass wir uns mehr Gedanken über die Werte machen, die uns unabhängig von Glaube, Hautfarbe, Nationalität und anderen Eigenschaften vereinen. Anstatt über kulturelle Unterschiede zu diskutieren, die uns scheinbar in Kategorien einteilen, und die Breivik und seine Gesinnungsgenossen ausnutzen, sollten wir lieber dasselbe tun wie die vielen Jugendlichen, die ich während der Verhandlung kennenlernen durfte: Wir müssen den Wert jedes einzelnen Menschen und die Bedeutung unserer gesellschaftlichen Grundwerte erkennen und schätzen – Demokratie, Meinungsfreiheit, Gleichstellung, Menschenrechte. Wie unterschiedlich wir auch sind, wir dürfen nie zulassen, dass diese Werte untergraben werden. Wir dürfen keine Intoleranz tolerieren, auch wenn dies paradox klingt.“ (Seite 8)
Geir Lippestad erzählt in seinem Buch von seinem eigenen Leben, von seiner Kindheit und Jugend, seinem Studium und seiner Anwaltstätigkeit, von seiner Ehefrau und seinen Kindern, von seinen Prägungen und seiner Sicht auf die Welt, von Werten und seinem Blick auf das Recht, von seinem Menschenbild.
Er berichtet (natürlich) auch von den Attentaten von Anders Behring Breivik und vom Strafprozess, den er als Breiviks Verteidiger begleitete, zeichnet dabei ein sehr lebendiges Bild von Breivik.
Lippestad macht den Druck durch die Medien deutlich, erzählt von Anfeindungen und regt mit seinem Buch sehr zum Nachdenken an. Er berichtet sachlich, respektvoll und orientiert sich dabei am norwegischen Rechtssystem. Er verdeutlicht gleichzeitig, wie erleichtert er bei Prozessende war, dass er das Kapitel Breivik nun abschließen kann.
Ich habe mich schon näher mit Breivik befasst und fand vor allem Einer von uns von Åsne Seierstad großartig. Als ich das Buch von Breiviks Anwalt entdeckt habe, war mir sofort klar, dass ich diese Perspektive unbedingt lesen muss.
Mich hat die Lektüre sehr beeindruckt. Wer wissen möchte, was Ambiguitätstoleranz ist und wie man sie mit voller Überzeugung und mit ganzer Kraft lebt, der sollte sich mit Lippestad beschäftigen.
Dies ist ein tolles, wichtiges Buch, das ich sehr empfehlen kann.
„‚Der schlimmste Verbrecher hat Anspruch auf den besten Verteidiger.‘ […] Advokat Lippestad und sein Team garantieren, dass die norwegische Gesellschaft ein Rechtsstaat bleibt – das System, das Anders Behring Breivik zerschlagen wollte.“ (Seite 80)
Geir Lippestad: Ich verteidigte Anders Breivik. Warum? Meine schwierigste Strafverteidigung. Unter Mitwirkung von Jon Gangdal. Aus dem Norwegischen von Frank Zuber. Verlag Herder, 2015, 224 Seiten; vergriffen (antiquarisch erhältlich).