Gullivers Reisen von Jonathan Swift

„Man befürchtete, ich würde mich losreißen oder meine Ernährung würde sehr kostspielig werden und eine Hungersnot zur Folge haben. Einige Male beschlossen sie, mich verhungern zu lassen oder mir wenigstens vergiftete Pfeile ins Gesicht und auf die Hände zu schießen, denn das würde mich gar bald hinüberbefördern. Andererseits aber erwogen sie, dass der Gestank eines solchen Leichnams in der Hauptstadt eine Pest hervorrufen könnte, die sich wahrscheinlich über das ganze Königreich ausbreiten würde.“ (Seite 21)

Nach einem Medizinstudium in Leiden, einer Tätigkeit als Schiffsarzt, einem Aufenthalt in London und der Heirat mit Mary Burton heuert Lemuel Gulliver auf einem Schiff an und bereist Ost- und Westindien.

Auf einer Reise in die Südsee gerät er in einen Sturm, und während der Rest der Schiffsmannschaft stirbt, schafft Gulliver es, sich an Land zu retten.

Er schläft vor Erschöpfung ein, und als er nach einem tiefen Schlaf erwacht, bemerkt er, dass er gefesselt ist und dass er in einem Land gestrandet ist, in dem die Bewohner alle winzig sind.

Ich kann es selbst kaum glauben: Seit meiner Kindheit kenne ich einzelne Passagen von Gullivers Reisen, aber ich hatte bisher nie das Buch gelesen. Nun habe ich zu dieser wundervoll illustrierten Ausgabe gegriffen, und Robert Ingpen hat das Buch tatsächlich genauso bebildert, wie ich mir die Figuren und Handlungsorte immer vorgestellt habe.

Gullivers Reisen ist eine tolle Geschichte, die den Leser mit in eine Zeit nimmt, als es noch jede Menge weißer Flecken auf der Landkarte gab und eine Schiffsreise ein riesiges Abenteuer war, bei dem man neue Orte und unbekannte Völker entdecken, bei dem man aber auch sein Leben verlieren konnte – und als man nicht wusste, was am anderen Ende der Welt noch auf einen warten könnte, ob es wunderliche Länder gäbe, in denen sich die Bewohner ganz entschieden von allem Bekannten unterschieden.

Jonathan Swift erzählt phantasiereich, voller Details und sehr durchdacht. Man könnte fast meinen, die beschriebenen Länder gäbe es tatsächlich. Man kann perfekt in die Geschichte eintauchen, ist mit dem Protagonisten in Liliput und in Brobdingnag unterwegs.

Nicht nur die Geschichte, sondern auch die wunderschönen Zeichnungen machen viel Freude, so dass ich das Buch für kleine und große Leser empfehle.

Jonathan Swift: Gullivers Reisen. Mit Illustrationen von Robert Ingpen. Knesebeck, 2021, 176 Seiten; 25 Euro

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