Gebrauchsanweisung für Österreich von Heinrich Steinfest

„Das aus der experimentellen Mathematik bekannte Prinzip, nach dem einfache Lösungen die schönsten sind, gilt dem Österreicher wenig. Man kann sagen, er ist ein Meister des Umständlichen, ein Meister der Umwege und der Verwicklungen. Wenn man etwas kompliziert sagen kann, wieso einfach?“

Heinrich Steinfest erzählt in seiner Gebrauchsanweisung für Österreich von Weitschweifigkeit und Hochdeutschunfähigkeit, Funktionärswesen und Doppelgängertum, Mozartkugeln und Rock me Amadeus, Fußball und Schifahren, Schlagermusik und Würde, Schwedenbomben und Mannerschnitten, Kärntner Nudel und Germknödel, Apfelstrudel und Tageszeitungen, Sonderbarem und Sonderlichem, Adalbert Stifter und Konrad Lorenz, Alkohol und Weinbauern, Todessehnsucht und Hypochondrie.

Ich kenne Österreich von eigenen Reisen und zudem einige Österreicher, und obwohl Steinfest bisweilen bitterböse ist und zudem zahlreiche Stereotypien bedient, muss ich sagen, dass seine Lektüre sehr unterhaltsam ist und dass seine Beschreibungen oft das widerspiegeln, was ich selbst schon beobachtet habe. Dabei merkt man bei aller Bissigkeit und allem Humor auch sehr deutlich, wie sehr Steinfest Land und Leute schätzt, wie wohl er sich in Österreich und mit Österreichern fühlt.

Mir hat der Autor durch die humorvollen Beschreibungen Lust auf eine erneute Reise nach Österreich und auf Begegnungen mit Österreichern gemacht und mich zudem über viele Eigenheiten und Besonderheiten informiert. Lediglich die Weitschweifigkeit seiner Ausführungen hat mich bisweilen gestört.

Heinrich Steinfest: Gebrauchsanweisung für Österreich. Piper, 2017, 224 Seiten; 15 Euro.

Dieser Post ist Teil meines Österreich-Monatsthemas im September 2019.

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