Die Neapolitanische Saga. Die Hörspiele von Elena Ferrante

„Es war das Schrecklichste, was wir in unserer Kindheit erlebt haben.“ (CD 1, Track 14)

Lila und Elena sind bereits seit über 60 Jahren miteinander befreundet, als Lila eines Tages spurlos verschwindet. Elena weiß, dass ihre Freundin schon seit mindestens 30 Jahren darüber nachgedacht hat, Neapel zu verlassen, und nun scheint die passende Zeit gekommen zu sein: Alle Kleider, Schuhe, Bücher, Fotos, Filme und Lilas PC sind weg.

Um das Geheimnis um Lilas Verschwinden aufzudecken, denkt Elena zurück an die gemeinsame Zeit mit ihrer Freundin und erzählt in der Tetralogie von der Kindheit und Jugend sowie dem Erwachsenenleben der beiden Freundinnen.

Ich kann durchaus behaupten, dass ich Elena Ferrante-Fan bin. Ich habe einige Bücher der Autorin gelesen, aber die Neapolitanische Saga hat es mir ganz besonders angetan, und ich habe sowohl die vier Bücher der Saga gelesen und zusätzlich als Hörbuch gehört als auch die Fernsehserie gesehen. All diese Medien mag ich sehr, und nun habe ich auch noch das Hörspiel gehört, das mich genauso begeistert hat wie die Bücher, Hörbücher und Verfilmungen.

Ich kenne Neapel nicht von eigenen Reisen, war aber schon sehr oft in Italien und finde, dass die Autorin die Stimmung in den 1950er Jahren und zu späteren Zeiten sowie das italienische Flair sehr gut eingefangen hat. Die Neapolitanische Saga hat mich von Anfang an nach Italien im Allgemeinen und Neapel im Besonderen versetzt und vermittelt zwischen den Zeilen viele Informationen über die Geschichte des Landes und der Stadt sowie über die Mentalität, die Kultur und die Gepflogenheiten der Bewohner.

Zwar wird die Geschichte sehr detailreich erzählt, aber meiner Meinung nach sind die Schilderungen so lebendig, dass die Geschichte auch ohne große Paukenschlagmomente auskommt. Wer sich von dem Buch eine durchweg spannungsgeladene Geschichte mit rasanten Wendungen verspricht, wird von der Lektüre sicher enttäuscht werden, denn Die Neapolitanische Saga ist oft eher eine Reihe der leisen Töne, die auf den ersten Blick wie der oberflächliche Bericht über eine Mädchen- und Frauenfreundschaft wirkt, bei tiefergehender Betrachtung jedoch einen perfekten Abriss des Lebens in Neapel und der Gesellschaftsstruktur im Italien der 1950er Jahre bis in die Gegenwart bietet.

Das Hörspiel ist selbstverständlich gekürzt, so dass einige Aspekte der Geschichte fehlen. Die Sprecher und die Hintergrundgeräusche sind aber sehr gelungen, geben der Geschichte den passenden Anstrich und sorgen für eine perfekte Stimmung.

Ich empfehle das Hörbuch für alle, die die Bücher/Hörbücher bereits kennen und gerne ihre Erinnerungen an die Saga auffrischen möchten, oder an diejenigen, die zum ersten Mal in Ferrantes Neapel-Tetralogie hineinhören und sich einen ersten Eindruck bilden möchten. Generell lege ich natürlich allen die Bücher und (nicht gekürzten) Hörbücher ans Herz, weil die Geschichte einfach so toll und so toll erzählt ist.

Elena Ferrante: Die Neapolitanische Saga. Die Hörspiele – Meine geniale Freundin – Die Geschichte eines neuen Namens – Die Geschichte der getrennten Wege – Die Geschichte des verlorenen Kindes. Übersetzung von Karin Krieger. Hörspiel mit Rosalie Thomass, Enea Boschen, Christiane Roßbach und Hanna Scheibe. der hörverlag, 2022; 26 Euro.

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