
„Verdrängen ist eine wunderbare Sache. Ich tue es schon mein Leben lang. Und nicht nur ich. Alle Menschen. Es ist die humanste Form, am Leben zu bleiben.“
Charly Brom erhält einen Anruf von Daniel Hefti, einem Musiklehrer aus Neubad, dem Dorf Charlys Kindheit und Jugend.
Hefti sagt, er wisse, was damals mit Walter Bruckner passiert sei, warum dieser gestorben sei und dass er wisse, dass Charly das auch weiß. Charly legt kurzerhand auf – er hatte sich 20 Jahre lang vor diesem Anruf gefürchtet:
„Er hatte so lange auf sich warten lassen, dass die Furcht unterdessen surreal geworden war. Wie ein Albtraum, der immer näher kommt. Und jetzt war er da. Jetzt hat er angefangen.“
Nun beginnt Charly, im Garten ein Loch zu graben, um Heftis Stimme darin zu vergraben. Er schaufelt Tag für Tag und nimmt immer weniger am Alltag und am Familienleben teil, die Beziehung zu seiner Frau und seinem fünfjährigen Sohn verändert sich, und schließlich entscheidet sich Charly, für eine Weile an den Ort seiner Kindheit und Jugend zurückzukehren, wo seine Mutter zusammen mit seiner Großmutter lebt.
Der Einstieg ins Buch hat mir richtig gut gefallen und einen kreativen und klugen Roman erwarten lassen, der mit viel Sprachwitz aufwartet. Genau dies hat sich auch durch den ganzen Roman hindurch gehalten. Ich empfand dieses Buch als skurril und gleichzeitig als lebensnah, authentisch und überzeugend.
Dabei fand ich auch die Charaktere sehr spannend. Wir erfahren hier unter anderem vom frühen Tod von Charlys Vater, der beim Katzenfüttern aus dem Fenster des dritten Stocks gefallen war, von der ängstlichen Mutter Charlys und von der Oma mit der schweizweit größten Kaffeesahnedeckelsammlung.
Mir hat dieser Roman richtig gut gefallen. Er ist amüsant, humorvoll, tragisch, fesselnd, macht von Anfang an neugierig auf den Verlauf, hält die Spannung durchweg und hat mich auch am Ende überzeugt.
Lukas Linder: Charly Broms Dilemma. Kein&Aber, 2024, 288 Seiten; 23 Euro.