
„Jede Katastrophe beginnt mit einer schönen Idee.“ (Seite 143)
Während seiner Studentenzeit wohnte Béla mit Serdar, Simone und Kim in einer WG bester Lage: in der Zederstraße, in unmittelbarer Nähe zur Zürcher Uni.
Diese aufregende und besondere Zeit, die geprägt ist von Freiheit und tiefen Freundschaften, ist fast 30 Jahre her. Nun lädt Serdar, der immer noch im Haus in der Zederstraße lebt, seine alten Freunde zu sich ein und erzählt, dass ihnen die Wohnung gekündigt wurde. Serdar schlägt vor, das Haus gemeinsam zu kaufen, um so alte Zeiten wieder aufleben zu lassen.
Doch passt das Ganze überhaupt zu den Menschen, wie sie einmal waren, und zu den Werten, für die sie einstanden?
„Weil wir die werden, vor denen wir uns immer gefürchtet haben.“ (Seite 27)
Mir hat dieser Roman extrem gut gefallen, auch wenn ich Béla als einen unglaublich unsympathischen Protagonisten empfunden habe. Mit seinem Genörgel, seiner schlechten Laune und seinem Egozentrismus ging er mir teilweise ordentlich auf die Nerven – und so fiel es mir auch schwer, mich emotional auf ihn einzulassen.
Andererseits empfand ich genau dies als sehr authentisch: Ich hatte beim Lesen das Gefühl, dass ich mit diesen Menschen zusammensitze und diese wirklich etwas in mir auslösen – was ich sehr an Büchern schätze.
Die ganzen Rechtfertigungen von Béla und seinen alten Freunden, wenn es um die Kündigung der anderen Familien im Haus geht, und andererseits das Mitgefühl, das Béla immer wieder hat und das dafür sorgt, dass er die Familien eben gerade nicht auf die Straße setzen möchte, empfand ich als sehr überzeugend.
Ich habe in meinem Regal noch ein anderes Buch von Micha Lewinsky stehen, auf das ich mich nun extrem freue.
Micha Lewinsky: Freunde von früher. Diogenes, 2026, 272 Seiten; 25 Euro.