
„Denn ich wusste, dieser Mann, den ich nur kurz von vorne gesehen hatte, als er vor dem Regal mit den Konserven sich zu mir umgedreht hatte, bevor er nach den Dosenpfirsichen gegriffen hatte, dieser Mann, der womöglich doppelt so alt war wie ich, dessen Car-Coat-Rücken ich an die Kasse gefolgt war, wo wir jetzt standen – mein Augenlid zuckte, ich atmete zitternd -, dieser Mann, und darüber gab es keinen einzigen Zweifel: Dieser Mann war ich.“ (Seite 8)
Das Leben von Hendrik Popom, Ende 20, ist nicht gerade auf seinem Höhepunkt: Sein Agenturjob läuft nicht so gut, mit seiner Freundin Anja könnte es auch besser sein, und dann macht er auch noch eine sonderbare Begegnung, die ihn durcheinanderbringt und sein Leben stark beeinflusst: An einem Sommerabend begegnet der Protagonist des Romans sich selbst in einem Kiosk.
Der Mann, bei dem sich Hendrik Popom sicher ist, dass es sich um ihn selbst handelt, auch wenn der Mann, gekleidet in einem saharagelben Car-Coat, mit braunen Lederschuhen und taubengrauem Hut, etwa doppelt so alt ist wie er selbst, stellt sich schließlich als Hendrik Popóm.
Die beiden treffen sich zufällig wieder. Popóm fühlt sich verfolgt und veräppelt von Hendrik, der seinen Namen auf der ersten Silbe betont – Pópom, doch schließlich versteht auch Popóm, dass er sich selbst getroffen hat.
Dieser Roman, der durch die Covergestaltung und die Inhaltsbeschreibung meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, hat mich letztendlich mitten ins Herz getroffen. Popóm hat mich sehr berührt, hat mich zum Weinen gebracht und mich lachen lassen. Dabei ist der Roman sprachlich anspruchsvoll, und die Autorin konnte mich auch mit ihrem Sprachwitz voll und ganz überzeugen.
Letztendlich nimmt man Johanna Sebauer alles ab, was sie in ihrem Roman beschreibt – auch die magisch anmutende Begegnung zwischen Pópom und Popóm. Zwischen diesen magischen, ungewöhnlichen, eigentlich unmöglichen Momenten beschreibt Sebauer sehr realistische Situationen, die direkt aus dem Leben gegriffen scheinen.
Mir hat das Magisch-Realistische in diesem Roman sehr gut gefallen, und auch aus philosophischer Sicht empfand ich das Geschriebene als sehr berührend, sehr beeindruckend, faszinierend und nachdenklich machend.
„Schwierige Phasen formen interessante Charaktere.“ (Seite 93)
Johanna Sebauer: Popóm. DuMont Buchverlag, 2026, 224 Seiten; 24 Euro.