Unter Wasser von Tara Menon

„Anurak hat mir beigebracht, in der Natur nach Anzeichen für Regen Ausschau zu halten: Die Sonne brenne zu heiß, erklärte er, ein scharfer, süßer Geruch hänge in der Luft, die Brise verebbe, dann komme ein starker Wind auf.“ (Seite 22)

Marissa ist Redaktionsassistentin, schreibt anonyme Begleittexte für die Fotografien der Top-Five-Reihe des Reisemagazins Cortés. Wiederholt erwacht Marissa aus Albträumen, erinnert sich auch tagsüber immer wieder an ihre Freundin Arielle.

Arielle und Marissa haben sich in Thailand in Marissas erster Schulwoche in Phuket im Alter von sieben Jahren kennengelernt. Marissas Vater hatte nach dem Tod seiner Ehefrau das Land verlassen und in Thailand nach Ablenkung und Abstand gesucht.

„Ich kann es nicht leiden, wenn die Leute sagen, wir beide wären wie Schwestern gewesen. Sie war nicht meine Schwester. Eine Schwester kann man sich nicht aussuchen. Wir haben uns gegenseitig ausgesucht.“ (Seite 33)

Unter Wasser erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen Arielle und Marissa, die sich sehr nahe sind, Zeit am Meer und im Wasser verbringen, das Leben genießen.

Tara Menon berichtet eindringlich von der Nähe zwischen Arielle und Marissa, von der engen Bindung zwischen den beiden und dem Schmerz des Verlustes, der Marissa um den Schlaf bringt und sie immer wieder an die Jahre in Thailand denken lässt.

Menon erzählt auf wenigen Seiten eine sehr komplexe Geschichte, die auch die Lebensgeschichte der Eltern Marissas beinhaltet. Das Ganze ist hochemotional, ohne kitschig zu sein, ohne schnulzig zu wirken und kommt ganz ohne Pathos aus.

Obwohl man von den ersten Seiten an viel weiß und manches ahnt, baut die Autorin extrem viel Spannung auf. Der Roman liest sich atemlos, ist von Beginn an unheilschwanger und lässt erahnen, mit welchem Schmerz Marissa durchs Leben geht. Zudem finden sich im Roman wundervolle Beschreibungen der Natur und auch der Naturgewalten. Das Ganze ist einerseits faszinierend und andererseits erschreckend.

Ich fand diesen Roman sehr beeindruckend und zähle ihn zu meinen Lieblingsbüchern 2026.

„Nach ein paar Jahren wurde mir klar, dass man nur um ganz bestimmte Menschen trauern darf.“ (Seite 33)

Tara Menon: Unter Wasser. Übersetzung von Simone Jakob. DuMont Buchverlag, 2026, 208 Seiten; 23 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!