Die Chronistin der Meere. Über die Tiefe und die Neugier von Patrik Svensson

„Es ist das tiefblaue Meer, das der Erde ihre Farbe gibt, das ihr Eigenheit und Schönheit schenkt. Es ist das Meer, das überhaupt erst die Voraussetzung für die Entwicklung des Lebens schafft, von den ersten Einzellern bis in den Weltraum hinaus. Es ist das Meer, das unseren blauen Planeten zu dem gemacht hat, was er ist, und im Meer erkennen wir eine Verletzlichkeit, die auch unsere eigene Verletzlichkeit ist. Der Himmelskörper, den wir den unseren nennen, ist gleichzeitig ein Planet des Meers.“ (Seite 11)

Patrik Svensson erzählt in seinem Buch Die Chronistin der Meere von Musik und Rhythmus von Tag und Nacht, von der Weltkarte von Fra Mauro und räumlicher Orientierung, von Ferdinand Magellan und Seefahrt, Walfang und Pottwal, Klimawandel und Überfischung, Kompass und geografischer Breite, Sextant und geografischer Länge, Senkblei und Wassertiefe, Mythologie und Tiefsee, Neugier und Wissenschaft.

Vor vielen Jahren habe ich Das Evangelium der Aale von Svensson mit viel Faszination und Begeisterung gelesen. Die Chronistin der Meere stand eine gefühlte Ewigkeit ungelesen in meinem Regal, und sobald ich das Buch angelesen hatte, habe ich gar nicht verstanden, warum ich damit nicht viel, viel früher begonnen habe.

Dieses Buch ist ebenso lehrreich wie stimmungsvoll, breit aufgestellt und geht dennoch in die Tiefe.

Dabei ist die Hauptperson und der gemeinsame Nenner aller Geschichten das Meer selbst. Das Buch hat mich sowohl zum Lächeln gebracht als auch zu Tränen gerührt.

Das Ganze ist einfach wundervoll und eines meiner Lieblingsbücher 2026.

„Sie ist auch nichts, woran man glauben kann. Wer sagt, dass er nicht an die Wissenschaft ‚glaubt‘, begeht einen grundsätzlichen Denkfehler. Wissenschaft ist eine Art und Weise, sich zur Wahrheit zu verhalten, sie ist nicht die Wahrheit selbst. Die Wissenschaft ist eine fortwährende Überprüfung, eine Denkweise und eine konstante Infragestellung. In diesem Sinne ist Wissenschaft das genaue Gegenteil der festen, unerschütterlichen Überzeugung.

Und aus diesem Verständnis ergibt sich auch die Einsicht, dass das bisher noch Unbekannte und Rätselhafte in keiner Weise die Wissenschaft bedroht. Eher im Gegenteil. Eine wissenschaftliche Verhaltensweise zur Welt beginnt mit dem Staunen über das Rätselhafte und geht über zu der Fähigkeit, Fragen daran zu stellen.“ (Seite 141)

Patrik Svensson: Die Chronistin der Meere. Über die Tiefe und die Neugier. Aus dem Schwedischen von Thomas Altefrohne und Hanna Granz. Hanser, 2023, 256 Seiten; 24 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!