Gefährliches Ego. Wenn Narzissmus tödlich endet von Maximilian Pollux

„Dieses Buch wird eine Reise in mein Innerstes, und mit jeder Seite wird mir bewusster, wie wichtig es ist, diesen Weg zu gehen.“ (Seite 24)

Maximilian Pollux erzählt aus der Sicht eines ehemaligen Täters. Er hat Gefängniserfahrung, war im kriminellen Milieu unterwegs, wechselt für seine Frau jedoch die Seite und gründet den gemeinnützigen Verein SichtWaisen, um mit gefährdeten und bereits kriminellen Jugendlichen zu arbeiten.

In seinem Buch Gefährliches Ego möchte er über Täter mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung schreiben. Seine Frau schlägt ihm kurzerhand vor, auch eine Geschichte über sich selbst ins Buch aufzunehmen, denn er sei ja ganz eindeutig ein Narzisst.

Während Pollux anfangs noch Widerworte gibt, erkennt er kurz darauf, dass er tatsächlich die diagnostischen Kriterien für die narzisstische Persönlichkeitsstörung erfüllt.

So setzt er sich in seinem Buch nicht nur mit seiner eigenen Lebensgeschichte und der Geschichte anderer Menschen auseinander, sondern auch mit seiner eigenen Persönlichkeit. Er erzählt hier unter anderem von Anders Behring Breivik, was ich besonders spannend fand, aber auch von anderen Straftätern, die mir allerdings noch nicht bekannt waren.

Ich interessiere mich für True Crime, für forensische Psychiatrie und für die narzisstische Persönlichkeitsstörung, sodass ich auf dieses Buch sehr gespannt war.

Der Autor wirkt sympathisch, ist humorvoll, ehrlich und selbstironisch, und sein Buch ist sehr unterhaltsam und gleichzeitig anspruchsvoll geschrieben. Bisweilen empfand ich die Äußerungen von Pollux als etwas zu plakativ und wertend, aber meist hat mir sein Blick auf die Täter und ihre Taten gut gefallen.

Schön fand ich auch die vielen Hinweise von Pablo Hagemeyer, mit dem ich mich bereits beschäftigt habe, da er Bücher über Narzissmus schreibt. Und das Interview mit Nahlah Saimeh, von der ich ebenfalls schon ein Buch gelesen habe, bietet einen sehr professionellen und gelungenen Blick auf forensische Psychiatrie.

„Ich sage es in meinen Fachkräfteworkshops in Schulen, Jugendeinrichtungen, Kliniken und Gefängnissen immer wieder: Wenn Menschen keine Aufmerksamkeit für etwas Gutes bekommen, werden sie irgendwann damit zufrieden sein, sie für etwas Schlechtes zu bekommen.“ (Seite 117)

Maximilian Pollux: Gefährliches Ego. Wenn Narzissmus tödlich endet. Goldmann Verlag, 2025, 320 Seiten; 18 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!