Diebstahl von Abdulrazak Gurnah

„Zu den Freuden der Macht gehörte auch, willkürlich bestrafen, schikanieren und vertreiben zu können.“ (Seite 10)

Die 17-jährige Raya wurde blitzschnell verheiratet, als ihr Vater herausgefunden hatte, dass ein junger Mann ihr nachstellte. Rayas Onkel Hafidh und Rayas Vater wählen als Ehemann Bakari Abbas, einen (anscheinend) freundlichen Mann, der fast drei Mal so alt wie Raya ist. Der herrische Vater bringt Raya dazu, der Ehe zuzustimmen, obwohl sie von Anfang an große Bedenken hat.

Die Ehe ist geprägt von Streit, Grausamkeiten, Verachtung und Todesangst. Und als der aus der Ehe hervorgehende Sohn Karim drei Jahre alt ist, verlässt Raya ihren Ehemann und zieht zurück zu ihren Eltern.

Diebstahl erzählt schließlich vom Leben Karims, der in Daressalam studiert, und von seiner Partnerschaft mit Fauzia, einer klugen Frau, deren Mutter sich unentwegt Sorgen macht, weil Fauzia als Kind epileptische Anfälle hatte.

Karim und Fauzia schließen zudem Freundschaft mit Badar, der als 14-Jähriger sein Dorf verlässt und in den Dienst von Karims Mutter und Stiefvater eintritt.

Diebstahl war meine erste Begegnung mit Abdulrazak Gurnah, der 2021 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Schon während der Lektüre wusste ich, dass ich in Zukunft noch viel mehr Romane des Autors lesen werde, denn Diebstahl hat mir richtig gut gefallen.

Diebstahl wird sehr lebendig erzählt, und die beschriebenen Szenen entstanden beim Lesen allesamt vor meinem inneren Auge. Der Roman hat mich an einen anderen Ort versetzt, und auch sprachlich hat mir das Buch gefallen, denn es ist in sehr verständlicher Sprache geschrieben und trotzdem anspruchsvoll.

Gurnah hat mich richtig in seine Geschichte um Karim, Fauzia und Badar eintauchen lassen, und ich habe lange kein Buch gelesen, das sich so leichtfüßig liest und mich so schnell und überzeugend in eine ganz andere Lebenswelt genommen hat.

Mir hat die Lektüre einfach Spaß gemacht und mich zudem ein wenig an die Kairo-Trilogie von Nagib Mahfouz erinnert.

Abdulrazak Gurnah: Diebstahl. Aus dem Englischen von Eva Bonné. Penguin Verlag, 2025, 336 Seiten; 26 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!