Das schreckliche Zebra. Fotos und ihre Geschichten von Klaus Cäsar Zehrer

„[…] wo die Wahrheit unwesentlich ist, hat die Dichtung freie Bahn.“ (Seite 250)

Während des ersten Lockdowns der Corona-Pandemie räumt Klaus Cäsar Zehrer vor lauter Verzweiflung und Langeweile sein Arbeitszimmer auf. Dabei stößt er auf eine Schachtel mit alten Fotografien, die von diversen Haushaltsauflösungen stammen.

Diese Fotos hat Zehrer intensiv auf sich wirken lassen – und hat schließlich Geschichten dazu erfunden:

„Die Geschichten in diesem Band sind, was ihr Verhältnis zu den Bildern betrifft, sozusagen Schrödinger-Texte: Sie sind gleichzeitig wahr und falsch. Wahr sind sie, weil sie tatsächlich von den beigestellten Fotos inspiriert wurden und in enger Verbindung zu ihnen stehen. Falsch sind sie in Bezug auf das, was ‚eigentlich‘ auf ihnen zu sehen ist.“ (Seite 250)

Ich lese selten lustige Bücher, meist finde ich Dinge, die andere Leute in Büchern spaßig finden, vollkommen unwitzig. Aber Zehrer hat mitten in mein Humorzentrum getroffen. Was habe ich über seine Geschichten gelacht – v.a. über die Geschichte mit dem Zebra, die nicht nur sehr witzig, sondern auch extrem kreativ und schlau ist! Oft sind die Texte wunderbar bizarr, und Zehrer gelingt eine spannende Mischung aus „vollkommen abwegig“ und „könnte so gewesen sein“.

Die Idee zum Buch hätte – wie ich finde – auch leicht schiefgehen können, wurde aber wirklich fabelhaft umgesetzt. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich, Zehrer wiederholt sich nicht, und sein Humor nutzt sich im Laufe des Buches nicht ab.

Das schreckliche Zebra macht viel Spaß, ist unglaublich lustig, sehr klug und inspiriert sogar zum Entdecken eigener Geschichten.

Klaus Cäsar Zehrer: Das schreckliche Zebra. Fotos und ihre Geschichten. Diogenes, 2021, 256 Seiten; 25 Euro.

Dieser Post ist Teil des Fotografie-Monatsthemas im Februar 2022.

4 Gedanken zu „Das schreckliche Zebra. Fotos und ihre Geschichten von Klaus Cäsar Zehrer“

  1. Vielen Dank für die schöne Besprechung, freut mich sehr! Besonders gut gefällt mir der Satz: „Ich lese selten lustige Bücher, meist finde ich Dinge, die andere Leute in Büchern spaßig finden, vollkommen unwitzig.“ Das geht mir nämlich genauso.

    1. Danke für das großartige Buch! Diese Zebra-Geschichte ist wirklich zum Niederknien. Bitte noch mehr lustige Sachen schreiben. Ich will auch unbedingt noch „Das Genie“ lesen, auch wenn da wahrscheinlich kein Zebra vorkommt… Liebe Grüße!

        1. Oh, ich liebe signierte Bücher. Total gerne, danke. Ich schick dir (ich bin so frei…) mal eine Email mit Adresse. Freu mich sehr :).

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