
„Ich hatte Streumunition erwartet, keine Konfettibomben.“ (Seite 12)
Frühjahr 2019: Dr. Nadia Amin, Dozentin für Kriminologie an der UCL, macht ein Sabbatical in Bagdad. Hier möchte sie ein Deradikalisierungsprogramm für IS‑Frauen leiten.
Sie trifft in Bagdad auf verschiedene Leute, mit denen sie zusammenarbeitet und die teilweise recht unnahbar oder suspekt auf sie wirken. Und auch das Programm findet keine rechte Unterstützung.
Immer wieder wird Nadia zudem wegen ihrer Erinnerungen an ihre Exfreundin Rosy zurückgeworfen. Und dann verbeißt sie sich in den Fall einer jungen Frau aus England, die sich dem IS angeschlossen hatte und deren Tochter von ihr getrennt wurde.
Die Lektüre hat mir viel Spaß gemacht. Das Buch liest sich sehr unterhaltsam und weist eine knallharte, explizite Sprache auf. Dabei wirkt es jedoch sehr authentisch, nicht aufgesetzt, stets passend und stimmig. Auch der Sprachwitz der Autorin hat mir sehr gut gefallen.
Ich empfand das Buch als sehr klug und trotz des Humors auch als ein recht ernstes Buch mit vielen Informationen, Impulsen, Denkanregungen, Wahrheiten und wichtigen Diskussionen zu Themen wie Religion, Gewalt, Frauenrechten und so weiter. Hier zeigt sich die Expertise Nussaibah Younis, die sich – wie Nadia – mit Deradikalisierung von IS-Frauen beschäftigt und Zeit im Irak verbracht hat.
Obwohl mir das Buch gut gefallen hat, ist der Funke nicht komplett übergesprungen, was ich mir nicht richtig erklären kann. Trotzdem kann ich die Lektüre sehr empfehlen.
„Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich einmal so enden würde, allerdings hatten diese Menschen vermutlich auch nie damit gerechnet. An einem Tag kaufen sie noch die schönsten Äpfel auf dem Markt, und am nächsten müssen sie vor einer einmarschierenden Armee fliehen, wird der Boden unter ihren Füßen zum Feind, rechnen die Schleuser den Geldwert ihrer Verzweiflung aus.“ (Seite 296)
Nussaibah Younis: fundamentalös. Aus dem Englischen von Jasmin Humburg. Unionsverlag, 2026, 384 Seiten; 24 Euro.