„Das hatte er alles mit angesehen, unbemerkt und unbeteiligt, aber mit einer Unmittelbarkeit, die sie nie gespürt hatte.“
Hema und Kaushik kennen sich seit ihrer Kindheit, denn ihre Eltern sind miteinander befreundet. Als Kaushiks Familie die USA verlässt und zurück in die indische Heimat zieht, verlieren sich die beiden und ihre Eltern aus den Augen.
Doch nach sieben Jahren kehrt Kaushiks Familie zurück in ihre zweite Heimat und findet bei Hemas Eltern vorübergehenden Unterschlupf. Hema verliebt sich sehr bald in den in sich gekehrten Kaushik, doch bleibt es eine Verliebtheit auf Distanz und im Geheimen.
Nach 20 Jahren treffen sich die beiden in Europa wieder – Kaushik hat es zu Ruhm als Fotograf von Kriegsschauplätzen gebracht, Hema hat eine wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen und steht kurz vor einer arrangierten Hochzeit.
Ich habe bereits vor vielen Jahren mit großer Begeisterung Melancholie der Ankunft gelesen und war ebenso begeistert von Einmal im Leben. Jhumpa Lahiri ist hier auf wenigen Seiten eine unglaublich berührende Geschichte gelungen, die sowohl sprachlich als auch inhaltlich anspruchsvoll und überzeugend ist. Die Protagonisten sind sehr lebensnah und komplex, der Perspektivenwechsel sorgt dafür, dass Hemas und Kaushiks Gefühle und Handlungen für den Leser stets nachvollziehbar und verstehbar sind und man sich fast wie ein Teil der Geschichte fühlt.
Auch psychologisch ist Einmal im Leben überzeugend, die Geschichte ist emotional bewegend, ohne schwülstig oder kitschig zu sein.
Einmal im Leben ist ein sehr empfehlenswerter Roman über Liebe, Verlust, Heimatlosigkeit und Zerrissenheit zwischen Kulturen.
Jhumpa Lahiri: Einmal im Leben. Deutsch von Gertraude Krueger. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2010, 176 Seiten; 10,99 Euro.
Diese Rezension ist Teil des Indien-Themas im Januar 2017.