Wer bist du? von Monika Helfer und Kat Menschik

„Ich bemühte mich, vor ihr einen guten Eindruck zu machen. Sie bemühte sich nicht.“ (Seite 11)

Ein Mädchen steht vor der Tür einer Frau und fragt, ob der auf der Straße gefundene 1000‑Schilling-Schein wohl ihr gehören könnte. Die Frau bittet das Mädchen, ins Haus zu kommen, und das Mädchen erzählt ihr von ihren drei Brüdern, die bei dem Vater, den sie Florian nennt, leben. Das Mädchen berichtet weiterhin, dass sie selbst bei ihrer Mutter geblieben ist, die mit Suizid gedroht hatte, falls ihr auch das vierte Kind weggenommen wird.

Das Mädchen kümmert sich um den Haushalt, damit Frau Steurer von der Fürsorge, die einmal pro Woche vorbeikommt, zufrieden ist:
„Wir hoffen, die Frau Steurer sagt dort, von wo wir die Hilfe bekommen, nicht, dass sie glaubt, dass meine Mama nicht krank ist. Weil dann bekommen wir nichts mehr. Und dann nimmt man mich weg. Aber wenn sie sagt, die Mama ist sehr krank, dann nimmt man mich auch weg. Sehr krank ist schlecht, und nicht krank ist auch schlecht. So mittendrin ist gut.“ (Seite 15)

Dann wird das Mädchen als vermisst gemeldet, und die Frau kann nicht recht loslassen, denkt immer wieder an das Mädchen. Und eines Tages passiert etwas Sonderbares, das ihr Leben verändern wird.

Ich mag Monika Helfer sehr und liebe die Illustrationen von Kat Menschik. Menschiks Bücher sind jedes Mal wundervoll gestaltet, haben stets Wiedererkennungswert, doch unterscheiden sich auch immer wieder vollkommen voneinander.

Dieses Mal ist das Buch nicht im klassischen Vierfarbdruck gestaltet, sondern es gibt ein leuchtendes, schillerndes Neongelb als fünfte Farbe. Der Schnitt des Buches ist lila, das Lesebändchen gelb, der geprägte Deckel und der Vorsatz sind wundervoll gestaltet. Das Ganze ist wie immer ein echtes Schmuckstück und ein richtiges Kunstwerk.

Die Geschichte wird auf sehr plastische Weise erzählt: Helfer beschreibt das Hadern der Frau, die nicht weiß, was sie tun, ob sie die Polizei einschalten soll, auf sehr überzeugende Weise. Sie berichtet von der Erinnerung an ihren verstorbenen Ehemann, den sie gerne um Rat gefragt hätte, von Einsamkeit und Verzweiflung. Und sie erzählt lebendig von den Gedanken an das Mädchen, die sie jahrelang nicht loslassen.

Ich habe die Geschichte innerhalb kürzester Zeit ausgelesen, und hier stimmt wirklich alles: die wundervolle Geschichte, die ein bisschen wie ein Michael-Haneke-Film anmutet, weil sie düster und bedrohlich ist und einen beim Lesen vollkommen gefangen nimmt, und die wundervollen Illustrationen von Menschik, die den Text perfekt veranschaulichen.

Ein Lieblingsbuch 2026!

Monika Helfer und Kat Menschik: Wer bist du? (Illustrierte Lieblingsbücher, Band 21). Galiani Berlin, 2026, 96 Seiten; 23 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!