Warten auf Susy. Mein afrikanisches Leben von Cristina Karrer

„Soll ich also meine Zelte hier abbrechen und in die Schweiz zurückkehren? Auf keinen Fall. […] Wieder in einem Land zu leben, in dem Armut kaum sichtbar ist, obwohl sie existiert? Kommt nicht infrage. Ich habe gerade erst angefangen, Afrika kennenzulernen. Und mir ist vor allem die schaurige Seite begegnet.“ (Seite 54)

Cristina Karrer verlässt Zürich und zieht nach Johannesburg in Südafrika, wo sie als Afrika‑Korrespondentin fürs Schweizer Fernsehen arbeitet und die nächsten 25 Jahre verbringt.

Zusammen mit ihrem Gärtner Nelson wartet sie auf seine Freundin Susy, die anscheinend in Swasiland ist und seit Monaten verspricht, am Samstagnachmittag wieder zu ihm zurückzukommen. Das Warten auf Susy wird schließlich auch etwas sein, was Cristinas Leben in Südafrika prägen wird.

In ihrem Buch erzählt Cristina von Apartheid, HIV/AIDS und Townships. Sie lässt den Leser an den allgemeinen Südafrika-Themen, aber auch an sehr persönlichen Geschichten teilhaben. Hier geht es u.a. um Gewalterfahrung durch ihren Ehemann, um Trennungen, Raubüberfälle, ihren Kokain-Konsum und um die Menschen, die sie in Afrika prägen und beeinflussen.

Mir hat das Buch einerseits sehr gut gefallen, denn beim Lesen ist man hautnah dabei in Südafrika. Die Autorin erzählt von der Schönheit des Landes, von der Lebendigkeit der Menschen, aber auch von Herausforderungen und Problemen.

Andererseits empfand ich die Autorin als recht naiv, und ich finde es nicht ganz nachvollziehbar, dass jemand, vor allem in ihrem Alter, sich so verhält und wirklich so blauäugig ist. Die Opfer- und Märtyrerrolle, in die sich Cristina häufig begibt, empfand ich zudem als wenig sympathisch.

Cristina Karrer: Warten auf Susy. Mein afrikanisches Leben. Dumont Reise, 2025, 280 Seiten; 18,95 Euro.

Dazu hab ich auch was zu sagen!