
„Kriminalfälle interessieren, ja faszinieren die Leserinnen und Leser, diese Geschichten lassen sie und auch uns oft nicht los. Wir interessieren uns für das, was geschah, für die Vorgeschichte und die Motive, wir interessieren uns für die Menschen, die darin verwickelt sind. Wir wollen wissen, warum es zu den Verbrechen kam und wie sie aufgeklärt wurden. Ihre Gewalt stößt uns ab, ihre Opfer wecken unser Mitgefühl, die Täter manchmal auch.“ (Seite 7)
Dieses Buch enthält 16 Kriminalfälle, zum Beispiel die Geschichte von Klaus G., der bei Banküberfällen mehrere Menschen erschossen hat und daraufhin 49 Jahre, 8 Monate und 25 Tage in der JVA Straubing eingesessen hat.
Ich lese sehr gerne über True Crime, forensische Psychiatrie und verwandte Themen, und dieses Buch hat mir insgesamt sehr gut gefallen, auch wenn ich nicht mit jedem Schreibstil gleich viel anfangen konnte.
So fand ich einige Texte eher reißerisch und etwas zu wertend, manchmal finden sich auch ein paar Ungenauigkeiten, zum Beispiel wird auf Seite 270 ein IQ von 109 als überdurchschnittlich eingeschätzt, was nicht korrekt ist.
Die meisten Texte fand ich jedoch extrem spannend, lebendig erzählt und mit einem guten Spannungsbogen versehen.
Das Buch ist insgesamt packend geschrieben, stimmungsvoll und die Orte und Personen entstehen vor dem inneren Auge.
Faszinierend fand ich auch, die Arbeit der Fallanalytiker zu verfolgen, zu sehen, wie das kleinste Detail der Ermittlungen das Potenzial für das Lösen des Falls hat, und wie winzigste Puzzleteile plötzlich ein Ganzes ergeben, das Klarheit bringt.
Giuseppe Di Grazia (Herausgeber): Wahre Verbrechen. 16 spektakuläre Fälle. Penguin Verlag, 2021, 320 Seiten; 12 Euro.