
„Es gibt Verhöre, die sind wie Kämpfe. Aber dieses Verhör ist anders. Dieses Verhör ist ein Einblick – ein tiefer und verstörender Einblick in die Seele eines Menschen. Und ein Blick hinter die Fassaden des Bürgertums.“ (Seite 44)
Peter Kirsch hat Kriminalfälle und damit zusammenhängende Verhöre zusammengetragen und stellt dabei einerseits solche Fälle vor, die aus der jüngeren Geschichte stammen, andererseits jedoch auch historische Verhöre.
Er erzählt zum Beispiel von Philip Blake, der sachlich und unaufgeregt von mehreren Morden berichtet. Er berichtet von einem Pastor, der angeklagt wird, eine Frau sexuell missbraucht zu haben. Er erzählt zudem von einem kleinen Mädchen mit schweren Verbrühungen, von einem Arzt, der an der T4‑Aktion beteiligt war, von Drogendealern und natürlich von Anders Breivik, wie bereits der Untertitel verrät.
Ich interessiere mich für True Crime und forensische Psychiatrie und habe vor vielen Jahren mit großer Begeisterung Einer von uns über Breivik gelesen und erst kürzlich einen Netflix-Film über Breiviks Attentate angeschaut. Breivik selbst interessiert mich aus psychologischer Sicht sehr, und letztendlich habe ich dieses Buch hier vor allem seinetwegen gekauft.
Kirsch schreibt teilweise sehr explizit, vor allem bei dem beschriebenen körperlichen Missbrauch, wobei die Schilderungen fast nicht aushaltbar sind.
Alles in allem hat er es geschafft, die Fälle gut und verständlich sowie packend aufzubereiten und hat mich wirklich durchaus durchweg gefesselt.
Peter Kirsch: Bis zum Geständnis. Die spektakulärsten Verhöre von Guantanamo bis Anders Breivik. Riva, 2017, 256 Seiten; 17,99 Euro.