Das Ende von Eddy von Édouard Louis

„Aber das Leiden ist totalitär: Es eliminiert alles, was nicht in sein System passt.“

Der Ich-Erzähler Eddy Bellegueule verbringt seine Kindheit und Jugend in einem Dorf in der Picardie. Er wächst inmitten von Gewalt, Alkoholismus, Trostlosigkeit und Armut auf und wird aufgrund seiner femininen Züge, seines mädchenhaften Tonfalls, seines Ganges und seiner Körperhaltung von Mitschülern verprügelt und verspottet, von seinem Vater beschimpft. Seine einzige Hoffnung ist das Verlassen des Dorfes, das Aufbrechen in ein neues Leben, eine Flucht aus der Enge der ihm bekannten Welt.

Édouard Louis hat mit Das Ende von Eddy ein authentisches und bewegendes Buch vorgelegt, das autobiografische Züge aufweist und das den Leser von Anfang bis Ende fesselt.

Nach einem direkten Einstieg in die Geschichte wird dem Leser sehr glaubwürdig und überzeugend die Ausweglosigkeit nahegebracht, in der sich Eddy befindet bzw. zu befinden glaubt. Die Schilderungen von Eddys Leben, seiner Familie, seiner sexuellen Identitätsfindung und seines täglichen Kampfes gegen Mobbing und Gewalt sind explizit und oft an der Grenze zum Unerträglichen, da sie so realistisch erzählt wurden, dass man alle Szenen vor Augen hat, sich jedoch oft wünscht, dass man etwas mehr Abstand halten könnte. Der Leser befindet sich mittendrin in der Geschichte und in Eddys Leben, hofft und leidet mit ihm.

Schön im eigentlichen Sinne ist dieser Roman nicht, dafür ist der Inhalt zu befremdlich und zu brutal. Sprachlich und stilistisch ist das Buch jedoch sehr beeindruckend, gewaltig und außergewöhnlich.

Nach diesem großartigen Debüt freue ich mich auf Louis‘ nächsten Roman Im Herzen der Gewalt, der am 24. August 2017 bei S.Fischer erscheinen wird, jedoch bereits den Weg in mein Bücherregal gefunden hat.

Édouard Louis: Das Ende von Eddy. Aus dem Französischen von Hinrich Schmidt-Henkel. S.Fischer, 2016, 208 Seiten; 9,99 Euro.

Dieser Post ist Teil des Frankreich-Themas im Juli 2017.

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