Archiv der Kategorie: Palästina und Israel

Häuser aus Sand von Hala Alyan

„Die Sehnsucht nach dem Vergangenen ist eine Qual. […] Das Verlangen nach dem, was verschwunden ist, kann einen Menschen hinwegraffen wie Fieber oder Krebs. Nicht nur die unerträglichen Verluste, auch die kleinen Dinge.“ (Seite 99)

Hala Alyan erzählt in Häuser aus Sand, ihrem ersten Roman, der auf Deutsch erschienen ist, von der Familie Yacoub, die ursprünglich aus Jaffa stammt, aber im Zuge der Gründung des Staates Israel aus ihrer Heimat vertrieben wurde.

Die Geschichte um die Yacoubs beginnt mit Salma, die sich nach dem Verlust ihrer Villa und ihrer Orangenplantage in Jaffa zusammen mit ihrem Mann Hussam und ihren drei Kindern ein neues Leben in Nablus aufbaut. Die Traurigkeit, die der Verlust der Heimat in Salma und Hussam auslöst, zieht sich auch durch die nachfolgenden Generationen, die immer und immer weiterziehen müssen, deren Leben durch Vertreibung und Kriege, aber auch durch Heirat und Studium stets an einen neuen Ort verlegt werden muss, wo die einzelnen Familienmitglieder mehr oder weniger Fuß fassen können. Häuser aus Sand von Hala Alyan weiterlesen

Oliven und Asche von Ayelet Waldman und Michael Chabon

„Die Besatzung ist wie eine dunkle, schwere Wolke, die auf dem Land lastet. Wie ein Kloß im Hals. Manchmal droht sie, sich herabzusenken und uns gänzlich zu ersticken. Dann wieder kann es vorkommen, dass sie sich kurz lichtet. Niemals jedoch ganz. Keiner, der in ihrem Schatten lebt, kann die unterdrückerische Besatzung jemals vergessen.“ (Seite 134, Raja Shehadeh)

Ayelet Waldman und Michael Chabon haben sich für ihr gemeinsames Buch Oliven und Asche mit 24 renommierten Schriftstellern aus aller Welt zusammengetan und über das Leben der Palästinenser unter der Besatzung Israels geschrieben.

Das Ergebnis sind Essays und Geschichten von international bekannten Autoren wie Madeleine Thien, Dave Eggers, Mario Vargas Llosa, Taiye Selasi, Colm Tóibín, Eva Menasse und Anita Desai, die von Tod, Rassismus, Gleichgültigkeit, Egoismus, Erniedrigung, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit, Siedlungsbau, Menschenwürde, Wasser, Mobilfunk, Intifada, Checkpoints, Passagierscheinen, Seife, Straßensperren, Umwegen, Sperrzonen, Olivenhainen, Bulldozern, Flüchtlingslagern, Drogenproblemen, Willkür und Menschenrechten erzählen. Oliven und Asche von Ayelet Waldman und Michael Chabon weiterlesen

Auf Jesu Spuren von Nils Straatmann

„Die Israelis wollen das Land, um hier ihre Siedlungen zu bauen. Aber wir pflanzen Olivenbäume. Wo ein Olivenbaum ist, da ist Hoffnung.“ (Seite 50)

Der Theologiestudent Nils Straatmann hat genug von der grauen Theorie und entwickelt die Idee, „den Weg Jesu nachzuwandern“, denn:

„Wie sollte ich das Christentum verstehen, wenn ich seine Wurzeln, die Kultur und Region, denen es entstammt, nicht kannte?“ (Seite 16).

Im Mai 2016 bricht Straatmann zusammen mit seinem Freund Sören auf nach Israel und Palästina, bereist Bethlehem, Nazareth, Tiberias, Nablus, Jericho, Jerusalem und Hebron sowie den Berg Tabor, den Fluss Jordan, den See Genezareth und die Golanhöhen. Auf Jesu Spuren von Nils Straatmann weiterlesen

Belletristik, Sachbücher und Reiseliteratur aus und über Palästina und Israel

In diesem Post liste ich Belletristik, Sachbücher und Reiseliteratur aus und über Palästina und Israel auf.

Ich erwähne hier vor allem diejenigen Bücher, die ich selbst gelesen habe und sehr empfehlen kann bzw. solche, die ich gerne noch lesen möchte. Meine Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

In Klammern habe ich diejenigen Bücher gesetzt, die mir nicht so gut gefallen haben, die ich persönlich also nicht empfehlen kann. Mit einem Sternchen versehen habe ich Bücher, die ich selbst noch nicht gelesen, zu denen ich mir somit noch keine eigene Meinung gebildet habe. Belletristik, Sachbücher und Reiseliteratur aus und über Palästina und Israel weiterlesen

Eingeboren von Sayed Kashua

„Ich hatte meine Kinder belogen, als ich ihnen beibrachte, dass alle Menschen gleich seien“

Eingeboren beinhaltet Kolumnen von Sayed Kashua, die von 2006 bis 2014 wöchentlich in der Haaretz erschienen sind. In diesen Kolumnen erzählt der Autor von sich und seiner Familie, von seinem Leben in Beit Safafa und im Westteil Jerusalems, von Israel und Palästina, von der Diskriminierung der Araber, die Fremde im eigenen Land sind, sowie von Nahostpolitik im Allgemeinen. Eingeboren von Sayed Kashua weiterlesen

Gaza von Joe Sacco

„Die ganze Welt verurteilt uns als Terroristen. Menschen, deren Häuser über ihren Köpfen zerstört werden, betrachtet man als Terroristen!“

Joe Sacco erzählt in der Graphic Novel Gaza von zwei Massakern, die sich im Jahre 1956 im Gaza-Streifen zugetragen haben: das in Chan Yunis, laut der UN das größte an Palästinensern auf palästinensischem Boden verübte Massaker, bei dem 275 Menschen getötet wurden, sowie das in Rafah, bei dem Dutzende palästinensische Männer getötet wurden. Gaza von Joe Sacco weiterlesen

Schmerz von Zeruya Shalev

„und plötzlich hatte sie nichts außer sich selbst, nichts außer ihm, außer dem Schmerz“

Iris kennt den Schmerz: körperlichen Schmerz, der sie nach einer schweren Verletzung bei einem Terroranschlag seit 10 Jahren tagtäglich begleitet, und seelischen Schmerz, dem sie seit fast 30 Jahren ausgesetzt ist, nachdem ihre große Liebe Eitan sie verlassen hat.

Nun führt ausgerechnet der körperliche Schmerz dazu, dass sie Eitan nach all den Jahren wiedersieht, denn er arbeitet als Schmerzspezialist. Schmerz von Zeruya Shalev weiterlesen

Ein schönes Attentat von Assaf Gavron

„Du wolltest, dass dein Leben etwas wert ist. Dass es ein Ziel hat.“

Eitan Einoch, ein erfolgreicher Israeli, überlebt im Abstand von wenigen Tagen mehrere Attentate. Er wird der Held Israels, der dem Tod drei Mal entrinnen konnte, doch sein Leben gerät mehr und mehr aus den Fugen, er findet nicht mehr zurück in seinen Beruf und  entfremdet sich von seiner Freundin. Eitan trifft schließlich auf Fahmi – Palästinenser und Drahtzieher der Attentate. Ein schönes Attentat von Assaf Gavron weiterlesen

Lonely Planet Israel & Palästina von Daniel Robinson

„Überall ist das Läuten von Kirchenglocken, der Ruf des Muezzin und der Klang der Schofar zu hören.“

Ich war noch nie in Israel/Palästina und plane derzeit auch keine Reise. Ich beschäftige mich aber schon sehr lange mit dem Nahostkonflikt und war deshalb neugierig auf die detaillierten Beschreibungen im Lonely Planet Israel & Palästina, da ich diesen Reiseführer generell sehr informativ und gelungen finde.

Der Reiseführer vermittelt extrem viel Wissen zu Israel und Palästina, zu Städten und Dörfern, zu Politik und Geschichte, zu Kultur und Lebensart sowie zu Besonderheiten der Region. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, und obwohl ich mich schon seit mehr als 25 Jahren mit dem Nahostkonflikt und der Region beschäftigt habe, habe ich viel Neues gelernt. Lonely Planet Israel & Palästina von Daniel Robinson weiterlesen

Die Attentäterin von Yasmina Khadra

„Aber sie werden das Haus niederreißen!“, rufe ich. „Was ist schon ein Haus, wenn man ein ganzes Land verloren hat“, seufzt sie.

Der Araber Amin ist erfolgreicher Chirurg, ist glücklich verheiratet mit Sihem und lebt sein Leben scheinbar fernab des Nahostkonflikts, fernab der Ungerechtigkeit, die seinem Volk widerfährt, fernab der Intifada. Eines Tages wird seine heile Welt zerstört, denn alles deutet darauf hin, dass Sihem für ein Selbstmordattentat und den Tod unschuldiger Menschen verantwortlich ist. Amin versucht schließlich, den Geheimnissen seiner Frau auf den Grund zu gehen und begibt sich in die Zentren des palästinensischen Widerstandes. Die Attentäterin von Yasmina Khadra weiterlesen