Archiv der Kategorie: Flucht und Migration

Die Rückkehr von Hisham Matar

„Hier geschieht nie was. Aber wenn, dann schnell wie der Blitz. Dann lässt sich die Welt in einem Tag verändern. Es mag zweiundvierzig Jahre dauern, bis der Tag kommt, aber wenn…“

Im Jahre 1979, zehn Jahre nach Gaddafis Machtergreifung, floh Hisham Matars Familie aus der libyschen Heimat. Hisham Matars Vater war unter König Idris Offizier der libyschen Armee und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem der bekanntesten Führer der Opposition gegen Gaddafis Regime. Die Familie lebte viele Jahre im ägyptischen Exil, wurde auch nach ihrer Flucht aus Libyen vom libyschen Geheimdienst überwacht und nahm einen neuen Namen an. Im Jahre 1990 wurde Hisham Matars Vater dennoch vom libyschen Geheimdienst entführt und in das berüchtigte Abu Salim-Gefängnis bei Tripolis gebracht. In den ersten sechs Jahren seiner Gefangenschaft gelang es dem Vater, drei Briefe an seine Familie aus dem Gefängnis zu schmuggeln, doch dann verlor sich die Spur, und seine Familie hörte nie wieder von ihm. Die Rückkehr von Hisham Matar weiterlesen

Belletristik und Sachbücher zum Thema Flucht und Migration

In diesem Post liste ich Belletristik und Sachbücher auf, die im engeren oder weiteren Sinne mit Flucht und Migration assoziiert sind.

Ich erwähne hier vor allem diejenigen Bücher, die ich selbst gelesen habe und sehr empfehlen kann bzw. solche, die ich gerne noch lesen möchte. Meine Liste ist selbstverständlich nicht vollständig. Ich würde mich sehr über Ergänzungen und Empfehlungen in den Kommentaren freuen.

In Klammern habe ich diejenigen Bücher gesetzt, die mir nicht so gut gefallen haben, die ich persönlich also nicht empfehlen kann. Mit einem Sternchen versehen habe ich Bücher, die ich selbst noch nicht gelesen, zu denen ich mir somit noch keine eigene Meinung gebildet habe. Belletristik und Sachbücher zum Thema Flucht und Migration weiterlesen

Das digitale Kalifat von Abdel Bari Atwan

„Jemand, der den Tod nicht fürchtet, ist nahezu unbesiegbar.“

Abdel Bari Atwan schreibt in seinem Buch über Saddam und die drei Golfkriege, Diktatoren und Salafisten, Taliban und al-Qaida, Mullah Omar und Osama bin Laden, den Arabischen Frühling und den Bürgerkrieg in Syrien, Ba‘ath und Assad, Oppositionsgruppen in Syrien und die Arabische Liga, Al-Baghdadi und Kalifat, Verwaltung und Organisation des IS sowie über das Verhältnis des IS zu muslimischen Ländern und dem Westen. Das digitale Kalifat von Abdel Bari Atwan weiterlesen

Waltz with Bashir von Ari Folman und David Polonsky

Ein Freund, der von Albträumen über seine Erlebnisse im Libanonkrieg 1982 geplagt wird, weckt bei Ari Folman Erinnerungen, die dieser seit 20 Jahren erfolgreich verdrängt hat. Ari kann sich nicht an seine Zeit im Libanonkrieg und an seine Rolle bei den Massakern von Sabra und Shatila erinnern. Er macht sich schließlich auf die Suche nach seiner Vergangenheit, trifft frühere Kameraden und setzt sich mit seiner Zeit als Soldat auseinander. Waltz with Bashir von Ari Folman und David Polonsky weiterlesen

Der Optiker von Lampedusa von Emma Jane Kirby

„Ich bin kein verdammter Held, dachte er. Ich habe versagt. Wir alle haben versagt. Wir, Italien, Europa: wir alle.“

Carmine Menna ist Optiker und lebt mit seiner Frau auf Lampedusa. Er liebt das Meer, und so verbringt er einen wohlverdienten Kurzurlaub mit seiner Frau und einigen engen Freunden auf einem Boot. Er genießt die Ruhe, das Fischen und das Baden im Meer, doch dann hört er im Morgengrauen sonderbare Geräusche, die er anfangs für kreischende Möwen hält.

Dann entdeckt er Menschen im Wasser, die um Hilfe rufen und um ihr Leben kämpfen. Es sind Hunderte, und der Optiker von Lampedusa begreift, „dass er würde entscheiden müssen, wer leben durfte und wer sterben müsste“. Der Optiker von Lampedusa von Emma Jane Kirby weiterlesen

Verflucht sei Dostojewski von Atiq Rahimi

„Aber ich komme, um verhaftet zu werden. Ich bin ein Verbrecher.“ – „Dann kommen Sie morgen wieder. Heute ist niemand da.“

Der ehemalige Jura-Student Rassul lebt in Kabul und tötet eines Tages aus Armut die Wucherin Nana Alia, verlässt ihre Wohnung jedoch ohne Schmuck, Geld oder andere Wertgegenstände.

Rassul wird geplagt von seinem Gewissen, er muss ständig an Dostojewskis Raskolnikow denken, und so sucht er nach jemandem, der sein Verbrechen bestraft. Doch im kriegsgebeutelten Kabul der Religionsfanatiker gibt es niemandem, der sich für Rassuls Belange und sein Geständnis interessiert, denn er lebt in einem Land, „in dem der Verrat schwerer wiegt als das Verbrechen. Egal, ob man tötet, stiehlt oder vergewaltigt… Es zählt einzig, dass man keinen Verrat begeht. Dass man Allah nicht verrät, seinen Clan, seine Familie, sein Vaterland, seinen Freund…“. Verflucht sei Dostojewski von Atiq Rahimi weiterlesen

Als ob es kein Morgen gäbe von Rawi Hage

Beirut galt einst als das „Paris des Nahen Ostens“, bevor es während des libanesischen Bürgerkrieges (1975-1990) und schließlich im Verlauf des Libanonkrieges 2006 bombardiert und zu großen Teilen zerstört wurde.

Bassam und sein Freund George leben in Beirut und ergaunern sich Geld, während die Stadt mehr und mehr zerstört wird und Unzählige bei Bombardements sterben.

Bassam träumt von Rom, wo seiner Meinung nach die Welt noch in Ordnung ist und das Glück wartet. George schließt sich einer christlichen Miliz an und zieht in den Krieg. Aus den alten Freunden werden schließlich Todfeinde. Als ob es kein Morgen gäbe von Rawi Hage weiterlesen

Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar

„Was kommt eigentlich nach einer Revolution?“

Teheran im Jahre 1979: Der 27-jährige Behsad kämpft nach dem Sturz des Schahs für eine gerechtere Welt und lernt bei einem Treffen der kommunistischen Bewegung Nahid kennen, in die er sich verliebt. Nachdem die Situation im Land für Kommunisten immer gefährlicher und der beste Freund Behsads inhaftiert wird, fliehen die beiden – die mittlerweile miteinander verheiratet sind – aus dem Iran. Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar weiterlesen

Allein unter Flüchtlingen von Tuvia Tenenbom

„Durch die Öffnung seiner Grenzen für die Flüchtlinge hat sich Deutschland große Anerkennung erworben. Doch durch die absolute Planlosigkeit, was mit den Flüchtlingen zu tun ist, sobald sie einmal im Land sind, hat es ihr Schicksal besiegelt. Was die Flüchtlinge in diesen Lagern durchmachen – von endloser Langeweile über erschreckende Messerstechereien, kaputte Toiletten und fades Essen bis zum Zusammenpferchen ehemaliger Feinde und der mangelhaften Hygiene in allen Räumen -, wird Folgen für ihr gesamtes späteres Leben haben.“

Tuvia Tenenbom ist durch Deutschland gereist, um ein Buch über Flüchtlinge zu schreiben. Unterwegs sucht er Personen auf, die aus ihrer Heimat geflohen sind, und solche, die Flüchtlingen helfen wollen, spricht mit Menschen, die keine Flüchtlinge im Land haben möchten, stellt Politikern wie Gregor Gysi, Frauke Petry und Henriette Reker unangenehme Fragen, interviewt Lutz Bachmann und Akif Pirinçci, trifft sich mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime in Deutschland und mit Antifa-Aktivisten, besucht Flüchtlingsheime in Berlin, in ostdeutschen und bayerischen (Klein-) Städten und in anderen Regionen Deutschlands – und stellt so Vergleiche an und versucht zu verstehen, was in Deutschland passiert und warum es passiert ist. Allein unter Flüchtlingen von Tuvia Tenenbom weiterlesen

Die Orangen des Präsidenten von Abbas Khider

„Die Welt war ausgeknipst.“

Nach ihrer letzten Abiturprüfung wollen der Ich-Erzähler Mahdi und sein Freund Ali feiern und brechen zu einer Spritztour mit einem geliehenen Auto auf. Unterwegs werden sie von der Polizei aufgegriffen und inhaftiert. Mahdi weiß anfangs selbst nicht, was ihm vorgeworfen wird, er ist unschuldig, wird immer wieder brutal gefoltert und bleibt schließlich zwei Jahre im Gefängnis. Die Orangen des Präsidenten von Abbas Khider weiterlesen